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Serie: Die Entwicklung des Kindes im 2. Lebensjahr




Angst vor dem Verlassenwerden

Die Angst vor dem Verlassenwerden ist ein natürlicher Prozess, den jedes Kind mit zunehmender Eigenständigkeit durchlaufen muss. Dieser innere Konflikt wird immer auftreten!

Sie können Ihrem Kind jedoch helfen, eine Trennung leichter zu verkraften

Zunächst sollten Sie sich trotz allem Ärger und Frustration freuen. Auch, für den Fall, dass es immer wieder eine Prozedur sein sollte, wenn Sie sich für einen Augenblick etwas anderem als Ihrem Kind zuwenden möchten, sollten Sie es doch als eine Art Kompliment auffassen, dass Ihr Kind Sie nicht gehen lassen will. Denn wenn es Ihr Kind nicht so schön und liebevoll bei Ihnen hätte, warum sollte es dann weinen?

Akzeptieren Sie diesen mit Gesetzmäßigkeit auftretenden Konflikt, der aus dem Bedürfnis nach Unabhängigkeit und der gleichzeitigen Angst vor dem Verlassenwerden entspringt.

Bedenken Sie: Wirkliche Unabhängigkeit kann nur dort erwachsen, wo Ihr Kind sich frei fühlt, die Welt "erobert" und seine Fähigkeiten entfaltet - und dabei gleichzeitig ein beständiges Gefühl der Sicherheit hat.

Es hilft also nichts, wenn Sie dem Unabhängigkeitsstreben Ihres Kindes freien Lauf lassen. Wenn Sie Ihr Kind für längere Zeit allein in seinem Zimmer lassen, wird es davon nicht selbstständiger - sondern ängstlicher, wütend, frustriert.
Wenn Sie Ihr Kind hingegen zu sehr bemuttern, es in ein Korsett zwängen, ihm ein Höchstmaß an Sicherheit bieten oder aufdrängen, dann wird es ebenso frustriert reagieren.

Unterstützen Sie den Freiheitsdrang Ihres Kindes, aber seien Sie immer und uneingeschränkt für es da, wenn es Ihre Hilfe, Ihren Schutz oder Ihre Zuneigung braucht.

Geben Sie ihm dann, aber auch das Gefühl, dass es völlig in Ordnung ist, wieder mehr Unabhängigkeit anzustreben. Manchen Müttern gefällt die Schutzbedürftigkeit Ihres Kindes so gut, dass Sie Ihrem Kind unbewusst das Gefühl geben, die Bemutterung sei der eigentlich "richtige" Zustand. Sie wollen das Kind nicht mehr so schnell loslassen, wenn es wieder hinaus in die Welt oder auch nur in das Nebenzimmer will. Das mag unter Umständen daran liegen, dass diese Mütter Ihre eigene Isolationsangst noch nicht bewältigt haben.

Der Ablösungsprozess der Mutter vom Kind kann also konflikthaft erlebt werden

Wenn es Ihnen schwer fällt, Ihr Kind loszulassen, zum Beispiel wenn Sie es dem Baby-Sitter anvertrauen, dann bemühen Sie sich, Ihrem Kind Ihre wahren Gefühle zu verbergen. Machen Sie ein fröhliches Gesicht, geben Sie Ihrem Kind das Gefühl, dass alles Okay ist, dass eine Trennung für Sie kein Grund zu Angst ist.

Wenn Sie bemerken, dass die Angst Ihres Kindes plötzlich außergewöhnlich stark ist, sollten Sie ihm ganz besonders viel Aufmerksamkeit und Liebe schenken. Behandeln und betutteln Sie Ihr Kind, als sei er wirklich krank. Manche Kinder brauchen die Rückkehr in die Symbiose, um anschließend mit neuen Kräften und mit einem größeren Sicherheitsgefühl "aufgetankt" das Abenteuer "Entwicklung" voranzutreiben.

Versuchen Sie aber niemals die Angst Ihres Kindes klein zu reden!

Auch wenn die Ängste Ihres Kindes für Sie irrational und grundlos erscheinen, Ihr Kind erlebt Sie als real und leidet sehr intensiv!
Die Angst Ihres Kindes ist in seinen Augen außerdem sehr vernünftig: Wer wird für es sorgen, wenn Sie gegangen sind? Ein Kind kann weder physisch noch emotional für sich selbst sorgen. Es denkt nicht: Ach, füttert mich heute der eine, füttert mich morgen der andere ...

Ihr Kind meint Sie! Sie sind sein Bezugspunkt, sein Vermittler zur großen weiten Welt. Es will nicht auf Sie verzichten.

Angst ist ein überwältigendes Gefühl, das nicht zu steuern ist

Da es den Unterschied zu gestern, heute und morgen nicht so genau kennt, helfen ihm auch keine Erklärungen.

Vielleicht kennen auch Sie diese sogenannten irrationalen Ängste: Angst vor Höhen, zu engen Räumen oder weiten Plätzen. Mit Vernunft ist diesen Gefühlen nicht gegenzusteuern. Erwarten Sie nicht das Unmögliche von Ihrem Kind!

Frustrieren Sie Ihr Kind nicht und untergraben Sie nicht sein Vertrauen zu Ihnen, indem Sie seine Ängste nicht ernst nehmen.

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