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05.03.10

Mein Mann ist ein Jammerer

Bettina G. ist seit drei Jahren glücklich mit ihrem Mann verheiratet. Für Bettina ist Thomas ihr Traummann, er ist klug und selbstbewusst, im Job steht er seinen Mann. Er hat nur ein Problem: Zuhause jammert er unentwegt herum.

„Als ich Thomas kennenlernte“, erzählt Bettina „war ich vor allem von seiner markigen Männlichkeit begeistert.“ Dass Thomas auch wehleidig sein konnte, erfuhr Bettina erst nach mehren Wochen, als Thomas eine Erkältung bekam. Denn die einfache Erkältung nahm in Thomas Augen einen schweren Verlauf und steigerte sich zur gefährlichen Grippeerkrankung.

„Zu der Zeit hatte es mir ja noch Spaß gemacht, Thomas zu versorgen und ein bisschen zu bemuttern“, erzählt Bettina. „Aber irgendwann wurde es mir zu viel, als ich merkte, dass er seine Zipperlein regelmäßig aufplusterte.“
Bei einfachen Kopfschmerzen vermutete Thomas mindestens einen Tumor, Zahnschmerzen waren für ihn nicht ohne eine Wurzelentzündung zu erklären.
„Ich glaube, ich war auch ein bisschen sauer, weil er das supermännliche Bild, das ich von ihm hatte, mit seiner Jammerei zerstört hat“, gesteht Bettina selbstkritisch.

Auch im Alltag nahm Thomas Jammerei ein immer größeres Ausmaß an. „Gut war aber, dass die Jammerei zeitlich sehr begrenzt war. Zwei Tage Gejammer und dann war für einige Zeit wieder alles normal“, erzählt Bettina.

Ist Jammern Psychohygiene?

Allerdings fragte sich Bettina, warum Thomas entgegen seiner sonstigen Art derart jammerbereit war. „Ich bekam allmählich den Verdacht, dass er das herumkränkeln und betüttelt-werden-wollen irgendwie als Ausgleich braucht“, bemerkt Bettina. „Herumjammern ist ja auch irgendwie entlastend.“ Tatsächlich wurde Thomas von seinem Vater, einem patenten Handwerksmeister, sehr energisch erzogen, Ärmel aufgekrempelt und los geht’s. Das Wunschbild des Vaters, dass alle Männer „Macher“ sein sollen, hat Thomas ohne Kritik verinnerlicht.

In Gesprächen zwischen den Eheleuten kam aber auch die andere Seite von Thomas ans Licht, eine Seite, die er sogar vor sich selbst verbergen möchte. Sobald Thomas nämlich als Kind krank wurde, wurde er von den Anforderungen des Vaters freigestellt und ganz der Obhut der Mutter übergeben, die ihn bis zur Genesung mit großer Begeisterung pflegte, weil sie den Sohn so ganz für sich hatte.

„Ich glaube, dass Thomas sich nur Schwäche zugestehen kann, wenn er krank ist“, meint Bettina. „Dabei ist sein ultramännliches Selbstbild auch eine ziemliche Überforderung. Auf Arbeit ist er der starke Typ. Klar will man da auch mal schwach sein dürfen. Bei Thomas geht es aber offenbar nur, wenn er glaubt, handfest krank zu sein.“

Wie sollte man mit Jammerern umgehen?

Bettina kann mit den Jammeranfällen von Thomas mittlerweile gut leben. „Ich nehme es mit Humor“, erklärt sie. „Und wenn ich gerade keine Nerven habe, auf seine Bedürfnisse einzusteigen, verweigere ich mich auch hin und wieder. Dann gibt es auch mal keinen Kamillentee und mütterliche Sorge.“

Nur Thomas scheint noch Probleme damit zu haben, mit Klarsicht und Distanz auf sein Verhalten zu schauen. „Er denkt jedes Mal, diesmal sei er wirklich krank und sein letztes Stündchen hätte geschlagen“, lacht Bettina. „Aber ich kenne das ja auch von mir: Von Außen ist es leichter, Zusammenhänge zu erkennen. Man selbst sieht das Offensichtliche bei sich selbst nicht.“

Kategorie: Eltern

 


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