
Big Brother an Schulen
Angesichts von Horror-Meldungen über Schul-Amokläufe entsteht ein immer größeres Bedürfnis nach Sicherheit bei Lehrern, Eltern und Schülern. In Bayern wollte eine Schule den Zugang zu ihren Räumen deshalb per Fingerabdruckscanner sichern. Proteste der Eltern führten aber zu einem Abbruch des Vorhabens.
Nachdem die Daten eines Zahlenschlosses von den Kindern weitergegeben wurden, sollte der Fingerabdruckscanner den Zugang der externen Musikschüler zur Grundschule regeln. Deshalb wurde von allen Musikschülern verlangt, ihren Fingerabdruck abzugeben.
Zwei Väter riefen jedoch zum Boykott auf. Auch die Medien empörten sich über das Vorhaben. Zuletzt montierte die Schulleitung das Gerät wieder ab.
Wie viel Sicherheit brauchen wir?
Was kann aber getan werden, um Kinder zu schützen? Bietet eine technische Lösung tatsächlich Sicherheit?
In vielen Bereichen leistet die biometrische Datenerfassung sicherlich hervorragende Arbeit. Überwachungsmaßnahmen lassen sich aber auch aushebeln. In diesem Falle hieße das: Wenn jemand eine Schule, die derart gesichert ist, betreten will, dann wird er es auch schaffen. Der Fingerabdruckscanner leistet nur eine Scheinsicherheit. Schlimmer noch: Er könnte Kinder verängstigen und ihnen das Sicherheitsgefühl nehmen, da ihnen eine mögliche Gefahr mit jedem Betreten der Schule bewusst gemacht wird.
Datenschutz versus Sicherheit
Problematisch erweist sich auch ein Überwachungssystem mit dem Recht auf Datenschutz.
Im Fall der bayerischen Schule wurde zwar versichert, dass die Daten nicht verwertet würden. Die Möglichkeiten zum Missbrauch sind aber enorm. Vielleicht nicht heute und an dieser Schule. Würde der Fingerabdruckscanner aber zu einer selbstverständlichen Zugangskontrolle an öffentlichen Einrichtungen werden, steigt die Gefahr der totalen Überwachung.
Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass sie über etwas Wertvolles verfügen: ihre persönlichen Daten. Zahlreiche Unternehmen wollen sie haben und lassen sich dies etwas kosten. Eine der wichtigen Erziehungsaufgaben der nächsten Zeit wird sein, Kinder für den Wert ihrer Persönlichkeitsrechte zu sensibilisieren. Wird ein Scan des Fingers aber zur Selbstverständlichkeit, ist dieser wichtige Wert nur noch schwer zu vermitteln.
Wie sieht die Zukunft aus?
In Großbritannien sollen Fingerabdrucksysteme bereits weit verbreitet sein, wie Heise Anfang letzten Jahres berichtet. Weiter heißt es, dass man an englischen Schulen schon seit einiger Zeit mit biometrischen Erfassungssystemen experimentiere. So soll es Versuche mit einem Iris-Scanner gegeben haben, um die Essensausgabe schneller zu gestalten. Auch soll ein System der biometrischen Gesichtserkennung erprobt worden sein, um die Anwesenheit der Schüler zu überwachen. Zwar regen sich auch in England Proteste. Die Versuche wurden aber wohl häufiger nur dann abgebrochen, wenn die Technik sich als noch nicht ausgereift genug erweist.
Weiterführende Informationen zu diesem Thema:
biometrische Erfassungssysteme auf heise.de
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