
Bedrohte Kinder und ihre gewaltigen Probleme
Häusliche Gewalt zählt zu den mächtigsten Gewaltverbrechen in der Verzeichnung von Gewalttaten bei Kindern. Dazu gehören: körperliche sowie seelische Misshandlung und sexueller Missbrauch.
„Mama, Tom hat heute in der Schule erzählt, er hätte gestern kein Abendessen bekommen und musste im Keller schlafen“. Bei Geschichten aus der Schule dieser Art sollten die Alarmglocken läuten. Zumindest darf man nicht weghören, wenn ein Kind – sei es in versteckter Weise oder im ernsten Gespräch – um Hilfe ruft. Die Kontaktaufnahme mit dem Klassenlehrer/in kann der erste Schritt sein einem Kind zu helfen. 2007 hat das Berliner Notdienst-System in Zusammenarbeit mit dem Kindernotdienst die Telefonseelsorge eingerichtet. Rund um die Uhr können sich die Kinder selbst, Eltern oder Verwandte, Bekannte, Nachbarn und Lehrer an die Gewaltnotdienststelle wenden.
Die Zentrale kümmert sich nicht nur um Berliner Bürger sondern um Kummer und hilfebedürftige Kinder bundesweit. Die Mitarbeiter können direkt handeln oder das zuständige Amt benachrichtigen, das sich – je nach Dringlichkeit – sofort für den Anrufer und dessen Problem einsetzt. Sie hören aber auch einfach nur zu und helfen einen Verdacht richtig einzuschätzen.
Seelische Verletzungen können chronisch krank machen
In Toms Fall könnte die Hotline der erste Schritt aus der Misshandlung eines sich möglicherweise zuspitzenden Eisbergs sein. Häusliche Gewalt ist weit verbreitet. Darunter fallen Prügel, Schläge mit Gegenständen, Kneifen, Treten und Schütteln des Kindes aber auch Stichverletzungen, Vergiftungen, Würgen, Ersticken, Verbrennen, Verbrühen und Unterkühlen wurden bei Kindern beobachtet. Neben körperlichen Misshandlungen ist die seelische Misshandlung ebenso folgenschwer und daher mit den sichtbaren Misshandlungen vergleichbar. Wird das Kind abgelehnt, gedemütigt oder sogar eingesperrt, alleingelassen, isoliert, angebunden und bedroht, kann es für das Kind schwierig werden, ein stabiles Selbstbewusstsein aufzubauen und im schlimmsten Fall läuft es Gefahr, chronisch krank zu werden.
Zum seelischen Missbrauch zählt ebenfalls das Miterleben gewalttätiger Übergriffe unter den Eltern. Inländische und internationale Forschungen belegen, dass sich Kinder durch diese ohnmächtige Erfahrung gravierend eingeschränkt entwickeln.
Innerhalb der häuslichen Gewalt sind Kinder häufig neben körperlicher und seelischer Misshandlung auch sexuellem Missbrauch ausgesetzt, was schwere Traumata auslösen kann. Der sexuelle Missbrauch kommt häufig in der Familie oder dem engeren Bekanntenkreis vor. „Je enger die Beziehung zwischen Opfer und Täter, desto höher auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Missbrauch über eine längere Zeit, intensiv und mit mehr (psychischer) Gewalt ausgeübt wird.“, so die Erklärung der polizeilichen Beratungsstelle im Internet. www.polizei-beratung.de/vorbeugung/sexualdelikte/
sexueller_missbrauch_von_kindern
Kinder – Opfer der Medienflut?
Dass Kinder zunehmend mit Gewalt in den Medien konfrontiert werden, ist Gegenstand aktueller Berichterstattungen und sowieso in aller Munde. Die Meinungen hierzu gehen weit auseinander, doch lässt sich nicht ausschließen, dass Kinder durch die Medien mit Gewalt in Konfrontation stehen. Ana Mijić vom Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. stellte sogar fest, dass Kinder, vor allem Mädchen, Angst als Grund vorgeben, warum sie nicht gerne Nachrichten schauen. Oft fehlt den Kindern, nach eigenen Angaben, dass Nachrichten nicht ausreichend erklärt würden. Sie sind also von der Informationsflut der Medien überfordert. Ob das gewaltsame Verhalten der Menschen im Fernsehen nun richtig oder falsch ist, ist für Kinder nicht zweifelsfrei zuzuordnen.
Tom ist kein Einzelfall, jährlich werden unzählige Kinder Opfer von Gewalt oder selbst zum Täter. Schauen Sie nicht weg, noch ist es nicht zu spät. - Für Tom und das Kind in Ihrer Umgebung.
Hotline Kindernotdienst: 030 - 61 00 66
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