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Der tägliche Einkaufsslalom

Wir können uns eigentlich nicht beschweren, denn unser Sohn ist fast ein tolles Einkaufskind. Zumindest können wir in annehmbarer Zeit unsere Wochenend-Einkaufstouren ohne viel Streß und Geschrei absolvieren. Sicher: mit Joshua als Baby in seiner Trageschale war es noch viel besser. Einfach die Zeit nach dem Füttern und Spielen abgewartet, dann kurz vor dem Einschlafen ab ins Auto und los ging es. Meist hat er überhaupt nichts von den Einkäufen mitbekommen.

Und wenn er doch einmal wach war, dann konnte man ihn mit dem Nuckel, etwas Tee oder mit normalem Ansprechen bei Laune halten.
Jetzt, da Joshua 2 ½ und „mobil“ ist, hat sich das ein wenig geändert. Und ärgerlicherweise tun die Lebensmittel-Discounter ihr Übriges dazu, das Einkaufen für uns Eltern so „schwer“ wie möglich zu gestalten.

Beginnen sollte ich im Jahr der Olympischen „Sommer“-Spiele mit der Tatsache, das – ähnlich der Renndisziplinen im Stadion – der Einkäufer vom Eingang bis zur Kasse immer links herum geführt wird. Sportlich gesehen hat es mit dem größeren Abdruckvermögen des rechten Beins zu tun, hier wohl eher mit einkaufspsychologischen Tricks.

Die erste Hürde müssen wir Eltern bereits am Eingang des Gebäudes nehmen. Während die anderen Einkäufer bereits siegesgewiß an uns vorbeiziehen, sitzt Joshua in einem elektrischen Auto, das dort eigens für die Kleinen plaziert wurde und läßt sich eine Runde nach der anderen durchschaukeln.

Zum Glück ist es ebenso umsonst, wie die zweite Hürde am direkten Eingang des Discounters. In diesem Minikino für die Kleinsten werden natürlich nur die neuesten Kaufvideos gezeigt. Und rein zufällig findet man diese Kassetten dann auch in der Nähe – neben dem Eingang – strategisch günstig und in Höhe der kleinen Hände positioniert.

Gut, wenn Joshua zu diesem Zeitpunkt noch im Kindersitz des Einkaufswagens sitzt und wir zügig im Slalom um die aufgestellten „Kauf-mich-Aufsteller“ und diversen Zeitschriftenständer - mit den bunten Heften zu den angesagten Lieblingssendungen – rollen.

So, das wäre also geschafft. Nun aber schnell die Einkaufliste abarbeiten, denn wir wollen die Geduld und Langeweile von Joshua nicht allzulange auf die Probe stellen. Spätestens aber nach der Hälfte des Einkaufs wird es ihm doch zu bunt und er möchte raus aus dem Sitz.

Zum Glück für uns möchte er dann immer auf der ausklappbaren Getränkeablage hinter dem Griff stehen, was uns die Möglichkeit gibt, ihn auch weiterhin „unter Kontrolle“ zu haben. Dies ändert sich leider aber schlagartig, wenn wir uns dem Kassenbereich nähern, denn hier stehen uns Eltern die größten Hürden bevor: die Spielzeugabteilung und die Süßigkeitsboxen an den Kassen selbst.

Joshua hat es das letzte Mal geschafft, zielstrebig, fast durch den halben Laden die Spielzeugabteilung zu finden. Und es sah zu komisch aus, wie er sich entschlossen von der Getränkeablage abseilte, um dann - einem 400m Läufer gleich - dem Ziel entgegen zu rennen. Sein Winken und das Umdrehen galten aber nicht den begeisterten Zuschauern, sondern dem Papa, der so aufgefordert schneller nachkommen sollte, denn schließlich wollte er mir doch so einiges zeigen.

Ich konnte aber standhaft bleiben und mußte diesmal keinen neuen Feuerwehrflitzer oder Elmo-Verschnitt kaufen. Dafür wurde ich von Joshua mit einem kurzen 20 Meter Sprint zur nächsten Kasse „belohnt“, an der er sich – wie immer – seine Rolle Bonbons holte. Nun hieß es nur noch, diese Packung heil durch die Kasse zu bringen, was uns diesmal – trotz Flehen und Betteln von Joshua – gelang. Der Rest war dann, dank der Bonbons, ein „Kinderspiel“.

Ich schätze, in einigen Punkten werden Sie sich auch wiedererkannt haben, oder? Schreiben Sie einfach Ihre Erfahrungen oder witzigsten Einkaufserlebnisse mit Ihren Krümeln in den Meinungsteil zu unserem Beitrag.
 
Autor: Michael Böneke (Email schreiben)


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