
Die Trennungsphase - wie sagt man es den Kindern?
Die Trennung hat begonnen, die Scheidung ist eingereicht. Für viele beginnt nun eine ambivalente Phase. Sie sind hin und her gerissen zwischen Freude über die neugewonnene Freiheit und Furcht vor der Zukunft. Auf die gerichtliche Scheidung muss ein Jahr gewartet werden. Zeit für Sorgen und Ängste. Ist die Scheidung der richtige Schritt? Wie werden die Kinder damit umgehen?
Zunächst steht eine Zeit der Neuorientierung an. Das Paar hat sich auch räumlich getrennt. Es entfallen Streit und Frustrationen. Es entsteht jedoch auch Platz für Gefühle des Scheiterns und der Leere.
Für viele ist die Zeit des Scheidungsjahrs aber auch gefüllt mir organisatorischen Aktivitäten. Ein neues Zuhause muss gefunden, vielleicht eine neue Arbeit angetreten werden. Bittere Gefühle werden zunächst verdrängt.
Doch emotional ist die Beziehung, auch wenn ihr Ende eine Befreiung ist, nicht abgeschlossen. Die Gefühle liegen dabei bei jedem Betroffenen anders. Dies hängt im wesentlichen davon ab, ob die Trennung gewollt wurde.
Aber auch der Partner, der sich getrennt hat, ist nicht frei von Gefühlen gegenüber seinem Ex-Partner. Häufig leidet er unter Schuldgefühlen, besonders wenn er bereits während der Ehe eine neue Partnerschaft eingegangen ist.
Er erlebt sich auch als Zerstörer der Ehe - Kinder und Ex-Partner sind seine Opfer.
Besondere Angst besteht bezüglich der Entwicklung der Kinder: Werden sie als Scheidungs-Kinder Schaden nehmen?
Sicherlich ist die Scheidung der Eltern ein traumatisches Erlebnis. Dennoch gibt es Möglichkeiten, gerade auch in der Trennungszeit, größeren Schaden abzuwenden.
Schon vor der räumlichen Trennung ist es Zeit für ein großes Gespräch zwischen Kindern und Eltern. Hier müssen alle Tatsachen auf den Tisch gepackt werden - in einer Sprache, die Kinder ihrem jeweiligen Entwicklungsstand entsprechend, verstehen.
Das Paar sollte dabei idealer Weise nicht als Gegner in Erscheinung treten, sondern als Eltern, die eine gemeinsame Entscheidung getroffen haben - die Scheidung. Die Gründe hierfür - auch wenn berechtigte Schulzuweisungen vorliegen - sollten im kleinsten Detail nicht vor den Kindern ausgebreitet werden, da dies automatisch zur Parteinahme führt.
Mit einem großen Gespräch ist die Angelegenheit aber nicht abgeschlossen. Viele kleinere Gespräche werden folgen müssen. Kinder brauchen lange, um die Tatsache der Trennung zu akzeptieren, neue Fragen, neue Gefühle tauchen auf, für die sich Eltern Zeit nehmen sollten.
Unbewusst fürchten viele Kinder, an der Scheidung der Eltern schuld zu sein. Sie fühlen sich den Ereignissen gegenüber hilflos ausgeliefert. Als vermeintlich schuldig glauben sie - immerhin - irgendeinen Einfluss auf die Entwicklung genommen zu haben.
Besonders kleinere Kinder fühlen sich als Mittelpunkt der Welt, so dass sie kaum glauben können, dass eine so folgenschwere Entscheidung ohne ihre Schuld getroffen werden kann. Diesen Irrglauben auszuschalten, ist eine der dringendsten Aufgaben der Eltern.
Für Kinder ist vor allem der Wegfall von Sicherheit und der unmittelbare Verlust einer wichtigen Bezugsperson verstörend. Deshalb kann es in der Trennungszeit zu Verhaltensauffälligkeiten kommen. Kleinere Kinder nässen wieder ein, verlangen nach Schnuller oder Flasche. Diese Regression drückt in erster Linie ihren Wunsch aus, dass alles so sein möge wie früher.
Bei älteren Kindern kann es zum Abfall der schulischen Leistungen kommen, Kinder in der Pubertät unternehmen recht häufig hilflose Versuche, sich von der Familie abzunabeln. Doch dies sind meist nur vorübergehende Erscheinungen. Erst wenn sie weit über die Trennungszeit hinaus reichen, werden die Verhaltensauffälligkeiten zum Alarmzeichen.
Langfristige seelische Schäden sind durch eine Scheidung nicht zwangsläufig zu erwarten. Wichtig ist vor allem, dass sich das getrennte Paar zwar als geschieden begreift - für die Kinder aber immer noch Eltern bleibt.
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