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Durchsetzungsvermögen und verhaltensauffälliges Kind

Frage an unsere Pädagogin:

Liebe Frau Müller,

im Rahmen meines Studiums absolviere ich zur Zeit ein Praktikum in einer Grundschule und betreue eine zweite Klasse mit. Ich habe Schwierigkeiten, mich bei den Kindern durchzusetzen, weil ich ungern, wie ihre Klassenlehrerin schreie, schimpfe und verbiete, als vielmehr mit Lob und positiver Verstärkung arbeite. (Die Strafpredigen sind nicht von Erfolg gekennzeichnet.)

Nun verhält es sich so, dass ein Junge der Klasse permanent den Unterricht stört, verhaltensauffällig ist und andere Kinder verletzt. Wie kann ich es erreichen, dass er auf mich hört, ohne ständig mit Strafen zu drohen? Gibt es ein paar Punkte Programm, das ich "abarbeiten" kann?
Nach Skinner und seiner Konditionierung müsse man unliebsames Verhalten ignorieren? Was sagen sie?

Lieben Dank für Ihre Bemühungen und eine gute Zeit

Ihre Isabel Tauchling

Was unsere Pädogogin rät:

Sehr geehrte Frau Tauchling,

danke für Ihre Anfrage.

Es ist sehr schön, dass Sie einen pädagogischen Beruf gewählt haben, der sehr viel Schönes bringt, sehr abwechslungsreich ist und in dem sich manchmal auch Konflikte nicht vermeiden lassen. Vor allem es gibt keine Rezepte für den Umgang mit Kindern. Jedes Kind reagiert in einer bestimmten Situation anders.

Diese Erfahrung werden Sie im Laufe Ihres Berufslebens bestimmt öfter machen.
Kinder benötigen aber viel Zuneigung, jemanden der Ihnen zu hört und auch sehr viel Konsequenz. Sie müssen ihre Grenzen kennen. Dies ist nicht immer sehr  einfach, wie Sie sicher schon erfahren haben.

Wir haben jetzt in jeder Klasse verhaltensauffällige Kinder, die ihrer Umwelt das Leben schwer machen. Oft haben diese Kinder einen sehr weichen Kern. Sie kommen aber mit sich und der Umwelt nicht klar, versuchen die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken (manchmal ist das wie ein Hilfeschrei), egal mit welchen Mitteln. Versuchen sie ein Mal mit dem Jungen allein in das Gespräch zu kommen. Beginnen Sie am besten mit einem Thema, dass anscheinend zunächst gar nichts mit Schule zu tun hat (Hobbys, besondere Stärken). Fragen Sie dann, welche Probleme er hat. Dabei ist eine Vertrauenssituation sehr wichtig. Man kann auch bis zu einem bestimmten Grad versprechen, Inhalte eines Gespräches für sich zu behalten.

Sie sollten auch darüber sprechen, worüber Sie mit Lehrern oder Eltern sprechen möchten, um ihm zu helfen. Wenn dieses gelungen ist, reden Sie über den Unterricht und welche Probleme der Junge hat, sowie diese abzustellen sind. Hier kann dann besprochen werden, was am Verhalten zu erst geändert werden könnte. Setzen Sie gemeinsam einen Schwerpunkt und suchen Sie entsprechende Kontrollmöglichkeiten. (z. B. Tabelle mit Smilies, wenn Ziel erreicht) Dies ist an TOKEN-Programme  angelehnt. Hinweise sind unter anderem bei Petermann/ Petermann zu finden. Die Ziele müssen anfangs so gesetzt werden, dass auch Erfolge sichtbar werden können.

Wichtig ist auch, dass die Eltern mit ins Boot geholt werden und dass gemeinsam von allen an der Erziehung beteiligten die gleichen Forderungen gestellt werden. Auch der Junge kann dabei durchaus mit einbezogen werden.

Unliebsames Verhalten zu ignorieren ist in einer Schülergruppe nicht immer einfach, zum einen weil die Kinder ja auch darauf reagieren und zum anderen weil bestimmte Verhaltensweisen auch geahndet werden müssen. Man kann natürlich in der Gruppe darüber sprechen und vereinbaren, dass auf bestimmte Handlungsweisen des Jungen nicht reagiert wird, dann ist es möglich, dass dieser das Interesse an seinen Handlungen verliert. Ich rate auch oft Kindern, die sehr sensibel sind und unangemessen auf Tätlichkeiten (besonders verbaler Art) ihrer Mitschüler reagieren, diese zu ignorieren (auch „Hände in die Hosentaschen“) und wegzugehen.

Sich in einer Gruppe durchzusetzen ist ein längerer  Prozess, für den ich auch keine Regeln geben kann. Für mich ist wichtig, dass zum Anfang klare alle Vereinbarungen getroffen werden und die dann auch konsequent eingehalten werden. Weiter müssen diese Vereinbarungen von allen Personen, die mit der Gruppe zu tun haben, eingehalten werden. Kinder möchten auch feste Regeln und erwarten die Durchsetzung. Als Weiters ist für mich auch Vertrauen sehr wichtig. Wenn ich etwas verspreche (dies gilt auch für vertrauensvolle Gespräche), muss dies auch unbedingt eingehalten werden.

Für Ihre weitere Tätigkeit wünsche ich Ihnen viel Erfolg und Freude.

Mit freundlichen Grüßen

E. Müller


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