
Serie: Die Entwicklung des Kindes im 3. Lebensjahr
Entwicklung zur Selbständigkeit
Kinder im dritten Lebensjahr sind innerlich hin und her gerissen: Auf der einen Seite wollen sie unabhängiger sein und vieles allein machen, auf der anderen Seite sehnen sich Ihr Kind nach Ihrer Obhut und Liebe, der Sicherheit, die nur Sie ihm geben können.Dieses Dilemma wird Ihr Kind noch viele Jahre begleiten, aber im dritten Lebensjahr wird der Konflikt besonders deutlich.
Dabei ist es wichtig, dass Sie Ihr Kind in seinem Autonomiestreben unterstützen, ihm aber gleichzeitig immer das Gefühl geben, für es da zu sein, es zu beschützen und es zu bemuttern.
Vielleicht möchte Ihr Kind auch an einem Tag ganz allein ein Bild malen, am anderen Tag besteht es auf Ihre Mitarbeit und Unterstützung?
Es ist schwer, die Wünsche Ihres Kindes vorauszuahnen. Kinder in dieser Lebensphase entdecken Ihren Willen, und dieser kann sehr stark sein, wenn Ihr Kind nicht das bekommt, was es will! Nicht selten wird aus einer Kleinigkeit großes Chaos, Tränen und Wutanfälle.
Wut- und Weinanfälle
Wut- und Weinanfälle resultieren in diesem Alter auch nicht selten aus Frustration: Ihr Kind möchte mehr erreichen, als es in diesem Alter in der Lage ist. Damit Sie Ihr Kind besser verstehen, versuchen Sie sich einmal in Ihr Kind hinein zu versetzen. Vermutlich resultiert die Frustration in erster Linie aus der Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Stellen Sie sich vor, Sie hätten zwei verbundene Hände und könnten die Schokolade nicht aus der Schublade nehmen, sie auswickeln und essen, wenn Sie dies wünschen!An- und Auskleiden
Mit zweieinhalb Jahren wird Ihr Kind vermutlich großes Interesse am An- und Auskleiden zeigen. Dies wäre eine schöne Gelegenheit, bei der Sie die Selbstständigkeit, das Zutrauen und Selbstbewusstsein Ihres Kindes fördern können.Lassen Sie doch zum Beispiel Ihr Kind auswählen, was es tragen möchte. Dies muss nicht den Regeln der Mode folgen. Vielleicht mag Ihr Kind ja gerne gestreifte Shirts und karierte Hosen zusammentragen?
Achten Sie beim Kleidungskauf auf einfache Verschlüsse. Reißverschlüsse sollten so groß sein, dass auch Ihr Kind danach greifen kann. Zu viele Knöpfe verwirren Ihr Kind vielleicht nur. Stattdessen bietet sich Kleidung mit einfachen Klettverschlüssen an.
Söckchen anzuziehen und Schuhe zu binden, wird für Ihr Kind vielleicht noch eine zu große Aufgabe sein, die es erst am Ende des dritten Lebensjahres meistern wird.
Versuchen Sie in jedem Fall, Ihr Kind so vieles wie möglich allein machen zu lassen, aber springen Sie ein, wenn es nicht weiterkommt!
Eine bewährte Regel, wie Sie Ihr Kind in seiner Selbstständigkeit unterstützen können, ist: Hilfe durch Nicht-Hilfe. Das vorangegangene Beispiel des "An- und Auskleidens" ist hierfür exemplarisch.
Geben Sie Ihrem Kind die Gelegenheit, dass was es tut, durch Versuch und Irrtum zu lernen!
Geben Sie ihm dafür genügend Zeit und Raum. Beginnen Sie also mit dem Ankleiden eine viertel bis halbe Stunde früher, bevor Sie das Haus verlassen müssen.
Wenn Sie dennoch in Zeitnot geraten, schlagen Sie eine Arbeitsteilung - nach folgendem Beispiel - vor: Du ziehst dir die Schuhe an, ich binde sie zu.
Beachten Sie, dass solange Ihr Kind mit der zu lösenden Aufgabe beschäftigt ist, ohne dass es zu weinen begonnen hat, es auch daran glaubt, es zu schaffen. Springen Sie also nicht bei, wenn Sie die Geduld verloren, haben und machen Sie es nicht rasch selbst. Damit geht das Selbstvertrauen Ihres Kindes womöglich auf einen Schlag verloren.
Helfen Sie Ihrem Kind nur, wenn es Sie um Hilfe bittet oder bereits frustriert erscheint.
Lassen Sie Ihr Kind entscheiden, wo es seine Malversuche aufhängen möchte. Überlassen Sie es ihm, den Stuhl aus der Küche zu holen, während Sie im Wohnzimmer ein gemeinsames Spiel vorbereiten!
Mit diesen wenigen Kleinigkeiten wird Ihr Kind bereits mehr Selbstvertrauen und Selbstständigkeit erreichen.
Bedenken Sie aber auch immer, dass Ihr Kind erst zwei Jahre alt ist. Erwarten Sie keine Perfektion. Wenn ein Knopf der Jacke nicht geschlossen wurde, ignorieren Sie dies einfach. Loben Sie stattdessen Ihr Kind für jede seiner Leistungen.
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