
Fluchen ist kein Segen
„Dieses verdammte kleine Wort!“. Entschuldigen sie bitte meine Unbeherrschtheit, aber ich möchte ihnen eine kurze Geschichte über das Fluchen erzählen und wie es sich auswirkt, wenn man(n) es in Anwesenheit kleiner Kinder tut.
Grundsätzlich – und weil ich ganz direkt über das Thema nachdenke - möchte ich die Behauptung aufstellen, das wir Männer öfter als Frauen, wenn nicht ausschließlich, fluchen, was in einzelnen Situationen bestimmt auch ganz angebracht und der Funktion des Streß-Abbaus dienlich ist. Soweit der eigentlich positive Aspekt.
Welche Auswirkungen es innerhalb der Kindererziehung aber haben und welche „Probleme“ es bereiten kann, möchte ich ihnen heute erzählen.
Joshua, mein kleiner fast 2 1/2 Jähriger, und ich standen – wie so oft – am Kühlschrank und suchten nach einem Erdbeerquark. Besonders am Nachmittag liebt er diesen kleinen Zwischensnack. Also gesucht und hinter den Joghurts gefunden.
Doch durch eine Unachtsamkeit war es schon passiert und ich konnte gar nicht so schnell hinter dem sich aus der ersten Reihe verabschiedenden Heidelbeerjoghurt hergreifen. Als Konsequenz verteilte sich der Inhalt lilafarbend in der Küche, was Joshua zu einem schrillen „iiiieeeehhh“ und einem Rückwärtssprung hinreißen ließ. Und ich?
Meine Zunge sprach schneller, als das Gehirn nachdenken konnte, das Wort aus, was von nun an für die nächsten zwei Wochen unser Leben mit Joshua bestimmen sollte .... „Scheiße!!!“ (im amerikanischen Fernsehen würde jetzt ein lautes PIEP ertönen).
Zu Anfang konnte wir uns das Schmunzeln eigentlich nicht verdrücken, wenn aus Joshuas Zimmer plötzlich ein lautes „Oh Scheiße!“ erschallte. Meist waren es nur Kleinigkeiten, die ihn aufregten und dieses Wort ausrufen ließen.
Mit einem Lächeln schaute er uns dabei immer an, als wollte er den fälligen Applaus für ein - seiner Ansicht nach - schwer auszusprechendes Wort einkassieren. Doch allmählich schien unser Knirps dieses Wort als Lieblingswort in seinen Wortschatz aufgenommen zu haben und es wurde immer öfter mal hier angebracht, mal dort gesagt.
Mit scheinbarer Leichtigkeit flutschte das Wort nun schon in kurzen Wiederholungsabständen über seine Lippen und wir wußten uns zu diesem Zeitpunkt nicht anders zu helfen, als uns darüber zu beschweren und zu schimpfen.
Mit einem Lächeln und anschließender Nennung des Wortes wurde auch dieser zaghafte Versuch unsererseits bereits im Keim erstickt. Die Krönung stand uns aber noch bevor.
Unser Großeinkauf am Sonnabend führte uns wieder einmal zu unserem Riesensupermarkt auf der grünen Wiese. Joshua ist eigentlich ein ruhiger Einkäufer, der im Kindersitz des Einkaufswagens schon mal länger ausharren kann. Man muß ihn nur ab und zu beschäftigen und Anregungen schaffen.
Doch an diesem Tag sollte etwas passieren, was mich in Sachen „fluchen“ umdenken ließ... Unser Einkaufswagen mit Joshua stand irgendwo zwischen den vielen Kühlregalen und diversen Molkereiprodukten.
Unser Einkaufsplan führte meine Frau und mich nochmals in verschiedene Bereiche des Supermarktes, da wir – wie immer – etwas vergessen hatten. Als wir uns zurück in Richtung Einkaufswagen und Joshua bewegten, hörten wir schon durch die diversen Gänge ein fröhliches „Oh Scheiße!“ schallen.
Im Abstand von zwei Sekunden. Und da uns Menschen, wie den Tieren, angeboren ist, das Junge an der Stimme aus allen anderen zu erkennen, wußten wir, wer dort lauthals auf sich aufmerksam macht. Sie können sich bestimmt die Blicke der Leute vorstellen ...
Das war der Wendepunkt und wir fragten uns, was zu tun sei – abgesehen von der Reduzierung der väterlichen Flüche -. Wir fanden eine ganz einfache Lösung: Papa und Mama hörten auf, sich über diese Wort zu beschweren und zu schimpfen.
Wir ignorierten es einfach und es hat geholfen. Abgesehen davon versuche ich, meine Wortschatz doch etwas Kinder konformer zu gestalten. Es hilft nicht immer, aber immer öfter ...
Autor: Michael Boeneke (Email schreiben)
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