
Kindersitze
- Ein kleiner Klick hilft Leben retten
- Welcher Sitz für welches Alter?
Ein kleiner Klick hilft Leben retten
So manches Elternpaar erwartet die erste Überraschung, wenn sie ihren Nachwuchs mit nach Hause nehmen möchten - es fehlt der geeignete Babysitz im Auto. Das Neugeborene muss im Krankenhaus bleiben.In einigen Fällen haben Eltern Glück: Das Krankenhaus verleiht entsprechende Rückhaltesysteme für die erste Autofahrt des Babys.
Wie wichtig die richtigen Kindersitze für Babys, Kleinkinder und heranwachsende Kinder sind, zeigt eine traurige Bilanz: Die Zahl der getöteten Kinder bei Autounfällen stieg zwischen Januar und Oktober 1995 gegenüber dem vergleichbaren Zeitraum 1994 um 13,1 Prozent an. Dies macht deutlich, dass die Gefahr, der Kinder gerade als Mitfahrer im Auto ausgesetzt sind, leider häufig unterschätzt wird.
Das bestätigt auch die Tatsache, dass die Mehrzahl der Kinder, die im Straßenverkehr getötet werden, im Auto verunglückt - nicht etwa als Fußgänger oder Radfahrer!
Die meisten Unfälle - vor allem die Tödlichen - passieren innerorts: bei Entfernungen unter 10 km sowie bei Geschwindigkeiten von 50 km/h und darunter.
Für Erwachsene ist die Sicherheit im Auto selbstverständlich geworden: Airbag, Gurtstraffer oder Gurtkraftbegrenzer gehören schon zur Standardausrüstung bei einem neu gekauften Auto. Sicherheit auf dem Rücksitz muss aber auch für Kinder gelten.
Darauf hat das Gesetz ein Auge:
Seit dem 1.April 1993 gilt vom Gesetzgeber aus: Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr oder Kinder, die kleiner als 150 cm sind, müssen altersentsprechend mit kindgerechten Rückhaltesystemen gesichert werden.Ausnahmen von dieser gesetzlichen Regelung gibt es nur wenige: Behinderte Kinder dürfen bei Vorlage einer entsprechenden ärztlichen Bescheinigung in geeigneten Spezialsystemen befördert werden, auch wenn diese keine ECE-Zulassung haben.
Taxifahrer müssen erst ab dem 1.Januar 1998 dafür sorgen, dass ihre kleinen Kunden kindgerecht angeschnallt sind.
Verletzungsgefahr:
Kindersitz ist nicht gleich Kindersitz. Deshalb sollte man hier auch nicht sparen. Ein nach ECE-Norm 44 geprüfter Kindersitz reduziert die Verletzungsgefahr um 70 Prozent; Todesfälle werden mit 90prozentiger Wahrscheinlichkeit vermieden.Die Kosten für einen Kindersitz liegen zwischen 40 EUR und 200 EUR. Hier mit der Sparsamkeit anzufangen, wo es um die Sicherheit des eigenen Kindes geht, ist sicherlich falsch.
Ein einfaches Rechenbeispiel zeigt, was den Eltern die Sicherheit ihres Nachwuchses wert sein sollte: Ein Kindersitz kostet durchschnittlich ein bis zwei Tankfüllungen.
Welcher Sitz ist der Richtige?
Nur zu gut wissen Eltern und insbesondere ältere Kinder aus eigenen Erfahrungen, was für Probleme auf sie zukommen, wenn es um den richtigen und passenden Kindersitz geht. Häufig wollen Kids in keinen Kindersitz mehr.Eltern kämpfen hingegen mit den verschiedenen Kindersitzgruppen und den unterschiedlichen Bestimmungen. Der Kindersitz muss nicht nur nach dem Sicherheitszeichen ECE 44 geprüft und zugelassen sein, er muss auch auf die Bedürfnisse des Kindes zugeschnitten sein.
Eltern haben die Qual der Wahl und leider oft zu wenig Informationen über den richtigen Sitz für ihr Kind.
Auf das sollten Eltern unbedingt beim Kauf eines Kindersitzes achten:
Bei der Auswahl des Sitzes sind vor allem das Gewicht, die Größe und dann erst das Alter des Kindes ausschlaggebend.Seit September 1995 gelten verschärfte Test- und Prüfnormen für Kindersitze. Das Sicherheitszeichen ECE 44-03 bestätigt den Eltern, dass das Rückhaltesystem den neuesten Normen entspricht. Darauf sollten Sie achten! Außerdem sollte das Kind Probe sitzen und ab dem entsprechenden Alter mitentscheiden.
Genauso wichtig sind atmungsaktive und reinigungsfreundliche Bezüge des Kindersitzes. Um Fehler bei der Handhabung zu vermeiden, sollten Eltern den Ein- und Ausbau des Sitzes im eigenen Auto testen und beachten, ob er für das eigene Auto zugelassen ist. Damit im Ernstfall wirklich nichts passiert, ist es wichtig, die Gebrauchsanweisung vorher genau zu lesen und bei Unklarheiten den Fachmann im Fachhandel zurate zu ziehen.
Für die ganz Kleinen sind Reboard-Systeme am besten: Diese Systeme der Gruppe 0 und 0+ können auf dem Beifahrersitz verwendet werden. Sie werden mit dem Rücken zur Fahrtrichtung angebracht, um die Kraft eines möglichen Aufpralls auf eine größere Körperfläche zu verteilen.
Bei einem Reboard-System ist die Verletzungsgefahr von Kopf und Hals geringer als bei vorwärts ausgerichteten Kindersitzen.
Das ist besonders wichtig, weil die Verletzungsgefahr am Kopf bis zum sechsten Monat am größten ist.
In vorwärts gerichteten Rückhaltesystemen kann die noch sehr empfindliche Halswirbelsäule des Babys die Aufprallkräfte nicht aushalten.
Ein großer Vorteil von Reboard-Systemen ist, dass der fahrende Elternteil immer Blickkontakt zu seinem Sprössling halten kann.
Achtung: Reboard-Systeme dürfen nicht auf dem Beifahrersitz benutzt werden, wenn es für diesen Sitz einen Airbag gibt. Es gibt aber die Möglichkeit, den Beifahrerairbag von einer autorisierten Werkstatt ausschalten zu lassen.
Und so sitzt wirklich alles richtig:
Der beste Kindersitz hilft nur wenig, wenn er nicht vorschriftsmäßig verwendet wird. Wichtig ist nicht nur der richtige Gurtverlauf, sondern auch dass der Gurt straff beim Kind anliegt.Der Kindersitz bzw. das Sitzkissen kann sich beim Ein- und Ausstieg verschieben. Aus diesem Grund muss immer wieder kontrolliert werden, ob sich der Kindersitz bzw. das Sitzkissen auch an der Lehne des Rücksitzes befindet.
(Quelle: Schwangerschaft und Baby, TELE-FORUM-Verlag, Gütersloh)
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