
„Komasaufen“ als weiblicher Trendsport
Der Alkoholkonsum von Frauen nimmt weltweit stetig zu. Trinkgelage und Wetttrinken führen häufig zu alkoholbedingten Krankenhausbehandlungen. Besonders betroffen sind immer mehr junge Mädchen, die dem Trend aus Großbritannien folgen.
Nach einer Studie von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), aus dem Jahrbuch „Sucht 2010“, nahm jeder Bundesbürger im Jahr 2008 durchschnittlich ca. 9,9 Liter Reinalkohol zu sich. Das entspricht etwa 247 Liter Bier oder 124 Liter Wein.
Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kann zudem besonders bei jungen Menschen ein neuer Trend verzeichnet werden: Das "Binge-Drinking". Der englische Begriff „binge“ steht dabei für „Gelage“, „drink“ bedeutet „trinken“. Binnen kurzer Zeit werden dabei große Mengen alkoholischer Getränke verzehrt um in einen beabsichtigten Rausch zu verfallen. Den Ursprung hat das „Kampftrinken“ in Großbritannien, wo sich im 18. Jahrhundert die Männer der besseren Gesellschaft ihren gesellschaftlichen Status durch ihre Trinkfestigkeit bewiesen.
Großbritannien als Vorbild
Besonders beim Alkoholkonsum der Frauen ist eine steigende Entwicklung zu beobachten. Deutlich wird dies an der Reportage „Drinking with the girls“ des britischen Senders BBC aus dem Jahr 2009. Berichtet wird darin über sieben Frauengruppen unterschiedlichen Alters, die von der Journalistin Cherry Chadwyck-Healey begleitet und bei ihrem Alkoholkonsum beobachtet werden. Der Bericht macht deutlich, dass ein durch Alkohol bewirktes Selbstbewusstsein der wichtigste Beweggrund für Alkoholkonsum von britischen Frauen ist.
Laut eines Berichts der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) waren bereits 50 Prozent der 15-jährigen Britinnen in ihrem Leben schonmal betrunken. Dagegen waren es nur 44 Prozent der Jungen im gleichen Alter. Ein Viertel der Britinnen zwischen 16 und 24 Jahren gab zudem zu, sich mindestens einmal pro Woche bis zur Bewusstlosigkeit zu betrinken.
Maßloser Konsum von Alkohol steigert das Krebsrisiko. Laut einer siebenjährigen Studie von „Cancer Research UK“ an 1,3 Mio. britischen Frauen erkrankten durch geringen bis mittleren Alkoholgenuss allein in Großbritannien zusätzlich 7.000 Frauen, meistens an Brustkrebs. Definiert wurde die Menge mit höchstens drei alkoholischen Getränken täglich. Das bedeutet, dass innerhalb dieses Zeitraums auf die gesamte Bevölkerung von Groß Britannien ausgelegt etwa 15 zusätzliche Erkrankungen pro 1.000 Frauen auftraten.
Gründe für übermäßigen Alkoholkonsum
Menschen fühlen sich durch den Genuss von Alkohol bestärkt und selbstsicher. Besonders Minderjährige, die Zuhause keine festen Strukturen kennen oder Alkoholismus von den Eltern gewöhnt sind, greifen zu dieser Droge. Mädchen leiden in der Pubertät zudem häufig unter höheren Selbstzweifeln als Jungen, deshalb versuchen sie sich durch den Alkoholkonsum gegen diese zu behaupten und somit ihr Selbstbewusstsein zu stärken.
Im Erwachsenenalter können Depressionen, Kontaktschwierigkeiten, soziale Ängsten und Hemmungen eine Rolle spielen. Frauen fühlen sich zudem häufiger dem Problem der Doppelbelastung ausgesetzt, was auch eine mögliche Ursache für Alkoholismus sein kann.
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