
Lotta lernt essen

„Lotta lernt essen“ von Edith Gätjen ist ein kleiner, aber feiner Alltagsbegleiter für den Start in die erste Baby-Beikost. Das Büchlein kann neben Grundrezepten auch mit aktuellen Empfehlungen für die Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit aufwarten. Zudem liefert es wertvolle Tipps für die Ernährungserziehung und für einen ausgewogenen Familienspeiseplan.
Lotta ist ein wohlgelauntes Baby, das seinen Eltern auch gerne mal zeigt, was ihm gar nicht behagt – Beikost statt Milch beispielsweise. So wird der Möhrenbrei kurzerhand wieder herausgeprustet oder der Grießbrei samt Löffel fliegt in hohem Bogen durch die Küche. Die Eltern, das sind Katrin und Christian. Katrin hat schon während der Schwangerschaft Wert auf gesunde Ernährung gelegt, viel über Schwangerschaft, Geburt und Stillen gelesen, verlässt sich aber hauptsächlich auf ihr Gefühl. Und Papa Christian kennt sich aus in Sachen vollwertiges Essen, denn seit seiner Kindheit hat er Berührung mit diesem Thema. Doch bei aller Vorbildung: Die ersten gemeinsamen kulinarischen Erfahrungen der Familie sind nicht nur positiv, denn die Umstellung von Milch auf Beikost klappt nicht so, wie es sich Katrin und gewünscht hätten. Und manchmal wird sogar eine Brei-Mahlzeit mit lautem Geschrei vorzeitig für beendet erklärt. „Das muss nicht zwingend heißen, dass es ihr nicht schmeckt. Vielleicht war einfach zu wenig Brei auf dem Löffel“, erklärt die Autorin Lottas Verhalten. „Damit bei Lotta der Schluckreflex ausgelöst wird, muss der Löffel gut gefüllt sein, nur dann empfindet sie den Brei nicht als gefährlichen Fremdkörper, den man ausspucken muss.“ Bis zum ersten Geburtstag Lottas begleitet der Ratgeber nun die Familie und ihren Speiseplan.
Das Büchlein macht viel Spaß: Anders als die Masse an Beikost- und Ernährungsratgebern enthält es kein gebetsmühlenhaftes Herunterbeten von Tipps aus dem „Labor“. Die Autorin weiß, dass Eltern Tipps für die Praxis brauchen, dass sie Wege suchen, um die aktuellen Ernährungs-Empfehlungen auf ihre Familiensituation zu übertragen.
Die Autorin zeigt auf, dass es sich lohnt, auch die eigenen Ernährungsgewohnheiten kritisch zu hinterfragen, denn schon in der Schwangerschaft werden die Weichen für die Geschmacksvorlieben des Kindes gestellt – das Ungeborene sitzt also von Anfang an mit am Familientisch. Das Büchlein übersetzt aktuelle Handlungs-Empfehlungen für die Säuglingsernährung in praxistaugliche Alltagssprache und gibt moderne Auffassungen zur Allergieprävention weiter. Zusatzinformationen und Hintergrundwissen sind ambitioniert in den Text eingewoben und werden von freundlichen Illustrationen begleitet. Text und Geschichte sind einfach und schnörkellos, doch nie ohne ein Augenzwinkern für die kleinen Malheurs. Die Illustrationen, vor allem bei der Darstellung der Grundrezepte, ersetzen graue Theorie und machen Lust auf gesunden, altersgerechten Beikost-Beginn.
Ein besonderer Mehrwert sind die Rezeptkarten zum Heraustrennen, für unterwegs auf Reisen oder einfach, um sie an den Kühlschrank zu pinnen.
Die Autorin: Edith Gätjen, geboren 1962, ist Ökotrophologin und Dozentin an der UGB-Akademie im Bereich Säuglings- und Kinderernährung in der direkten Elternarbeit. Sie hat selbst vier Kinder und ein Enkelkind – Lotta. Die Autorin lebt in der Nähe von Köln.
Fazit: Wer sich auf dieses Büchlein einlässt, hat einen wertvollen, praxistauglichen und aktuellen Ratgeber, der Eltern hilft, den richtigen Zeitpunkt für den Beginn der Beikost zu finden. Die Autorin sensibilisiert Eltern für ihre Kompetenz, ihren eigenen Weg zu finden und die Beikost-Tipps auf ihre individuelle Familiensituation zu übertragen. Ein Ratgeber, der am Ende allen schmeckt – und zudem schnell gelesen ist.
Sonja Leibinger
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