
Mein Kind ist unkonzentriert
Frage an unsere Pädagogin:
Sehr geehrte Frau Müller!
Mein Sohn ist acht Jahre und geht in die 2.Klasse.
Er könnte eigentlich ein guter Schüler sein, aber er gestaltet das Ganze durch seine Unkonzentriertheit schwierig.
Wir üben täglich 15 min Lesen und schreiben täglich 15 min kleinere Sätze. In Mathe brauche ich mir keine Gedanken machen.
Wie schon gesagt, gestaltet er sich das Ganze selber schwierig, da er unkonzentriert ist. Das äußert sich so, daß er nicht zuhört, was der Lehrer sagt oder Aufgabenstellungen nicht richtig durch liest. Sein Dazwischengerede zieht unter den Lehrern schon böse Bahnen.
Für mich ist das Ganze sehr schwierig zu verstehen, da mir die Schule leicht gefallen ist.
In Diktaten schreibt er Flüchtigkeitsfehler, welche zu Hause beim üben nicht sind. Auch ihn zum täglichen Üben zu motivieren ist sehr schwer. Das äußert sich so, daß er nur rummauelt und Korrekturen bei Fehlern von mir als böse Mache sieht.
Wir haben zur Zeit ein sehr angespanntes Verhältnis zu Hause. Aber ich möchte meinem Sohn die Chance geben, daß er merkt, das Lernen und Strebsamkeit wichtig im Leben sind. Greife ich hier zu hoch?
Für Ihre Hilfe wäre ich Ihnen sehr dankbar!
Mit freundlichen Grüßen
Sabine Keller
Was unsere Pädogogin rät:
Sehr geehrte Frau Fehler,
herzlichen Dank für Ihre Anfrage.
Es ist gut, dass sie sich über die Leistungen Ihres Sohnes Gedanken machen. Ich kenne Ihren Sohn nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass er ein sehr munterer Junge ist. Einige Ihrer beschriebenen Sachverhalte deuten vielleicht auf eine Aufmerksamkeitsstörung hin, aber das müsste vor Ort genauer untersucht werden.
Sie berichten von einem angespannten Verhältnis zu Hause, dies kann sich durchaus verschärfen, wenn der Junge eventuell etwas überfordert ist. Ein gutes vertrauensvolles Verhältnis ist aber sehr wichtig für erfolgreiches Lernen.
Zwar weiß ich nicht, wie Ihr Sohn auf das tägliche Üben reagiert , aber vielleicht können Sie das Lesen mit ihm „hinten herum“ gestalten. Suchen Sie mit ihm ein Buch oder einen Text aus, das oder den ihn interessiert und lesen Sie gemeinsam – anfangs lange schwierige Sätze Sie, die leichteren und kurzen er, später kann er immer etwas mehr lesen. Sprechen Sie über das Gelesene. Loben Sie, wenn schwierige Sätze bewältigt wurden. Lassen Sie bei Ihrem Sohn das Gefühl aufkommen, dass er nicht unbedingt für die Schule liest. Auch wenn bestimmte Fragen, zum Beispiel nach einem naturwissenschaftlichen Sachverhalt, gestellt werden, weisen Sie auf ein Nachschlagewerk hin. Ermuntern Sie den Jungen immer wieder zum Lesen und seien Sie vorsichtig mit Kritik, wenn es nicht gleich klappt.
Mit dem Schreiben könnte man es auch auf spielerische Art und Weise versuchen. Wichtig ist, dass die Freude am Lernen erhalten bleibt. Dann kann sich ein vertrauensvolles Verhältnis zum Jungen aufbauen. Versuchen Sie sachlich mit ihm über das Verhalten in der Schule zu sprechen, bieten Sie dem Jungen Ihre Hilfe an. Vielleicht kann ein kleines Punkteprogramm helfen (Sie sprechen mit Ihrem Sohn, dass er sich anstrengen sollte, im Unterricht nicht dazwischen zu reden und legen gemeinsam eine bestimmte Anzahl von Unterrichtsstunden pro Woche als Ziel fest – das Ziel muss realistisch sein -, wurde das Ziel erreicht, können Sie am Wochenende eine kleine Belohnung ansetzen – es muss kein großer materieller Wert sein). Natürlich muss dies mit den Lehrkräften abgesprochen werden.
Sie schreiben, dass es mit Mathematik besser klappt, wenn aber der Junge nur unkonzentriert ist, müssten auch da sogenannte Flüchtigkeitsfehler auftreten. Liegt vielleicht auch eine leichte Lese-Rechtschreibschwäche vor? Dies sollten Sie vor Ort mit dem Lehrpersonal oder einer Beratungsstelle klären, um gezielte Hilfen zu erhalten.
Ich hoffe, dass ich Ihnen etwas helfen konnte.
Mit freundlichen Grüßen
E. Müller
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