
Mein Sohn ist ein Träumer
Frage an unsere Pädagogin:
Sehr geehrte Frau Müller,
ich lebe in den Staaten und habe einen sieben jährigen Sohn. Er ist in der zweiten Klasse und für seine Altersgruppe sehr weit in Mathe und Lesen ect..
Das einzige Problem was wir haben (so wie die Lehrerin uns geschildert hat) ist, dass er sich sehr viel Zeit lässt, um seine Aufgaben zu machen. Er würde angeblich viel träumen.
Zuerst hatte sie gedacht er würde nicht zuhören, da er angeblich mit den Gedanken wo anders war, aber als sie ihn Fragen stelle über das Thema was gesprochen wurde hatte er immer die richtige Antwort.
Jetzt versuchen wir ihn immer eine gewisse Zeit zu geben, dass er seine Arbeit beendet. Ich hoffe das wird im helfen.
Hier in den USA werden die Kinder sofort abgestempelt , dass sie ADD haben und müssten mit Medikamenten behandelt werden. Das werde ich nie im Leben tun.
Mein Kind ist ein sehr schlauer und gebildeter Junge, das sagte auch die Lehrerin.
Würden Sie mir bitte ein paar Tipps geben worauf ich achten muss um meinem Kind zuhelfen.
Vielen Dank
Was unsere Pädogogin rät:
Sehr geehrte Frau Richter,
viel Dank für Ihre Anfrage und Gratulation zu Ihrem Sohn.
Es ist gut, dass Sie sich viel Gedanken über seine Entwicklung machen. Sie schreiben, dass er im Bereich der Kulturtechniken keine Schwierigkeiten zeigt, wohl aber im Leistungsbereich. Bedenken sie doch bitte, dass Ihr Sohn mit sieben Jahren noch recht jung ist. Gerade Jungs haben im sozial-emotionalen Bereich oftmals Nachholbedarf. Sie sollten also auf eine allseitige Entwicklung achten, wobei das Spielen, ausreichende Entspannungsphasen und vertrauensvolle Gespräche nicht zu kurz kommen sollten. Sie sind auf dem richtigen Weg, ihm ausreichend Zeit zum Lösen seiner Aufgaben zu geben. Mit verschiedenen Übungen bzw. Spielen sollten Sie das Tempo und die Aufmerksamkeit trainieren. Auch Sportspiele können dazu beitragen. Wichtig ist dabei, dass der Junge viel Freude daran hat und dass nicht ein zusätzlicher Leistungsdruck aufgebaut wird.
Man sollte auch noch einen anderen Aspekt beachten: wenn Ihr Sohn schon sehr viel kann, könnte er vielleicht auch unterfordert sein und schaltet dann ab. Darüber sollten Sie mit ihm sprechen. Ich kenne die Unterrichtsmethoden der entsprechenden Schule nicht, aber vielleicht ist es möglich, dass er im Unterricht Sonderaufträge bekommt, damit er aktiver am Unterrichtsgeschehen teilnehmen kann.
Zur Medikamentengabe würde ich zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht raten. Zum einen sollten Sie die weitere Entwicklung des Sohnes genau beobachten, wenn seine Schulleistungen in Ordnung sind, würde ich keinen großen Handlungsbedarf sehen, zum anderen muss bei einer Medikamentierung unbedingt eine gründliche ärztliche Untersuchung stattfinden, um sicher zustellen, ob überhaupt ein entsprechendes Medikament notwendig ist.
Sollte sich Ihr Sohn nicht so entwickeln, wie Sie sich das Vorstellen, sollten sie sich auch Hilfe vor Ort suchen, damit dort Rat und Hilfe bekommen können.
Mit freundlichen Grüßen
E. Müller
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