
Nach der Scheidung - was kommt jetzt?
Viele Geschiedene stehen nach dem Tag der Scheidung vor einer großen Leere. Was kommt jetzt? Wie geht es weiter?
Und immer wieder kreisen die Gedanken um den Ex-Partner, die Trennung, das Warum und Wieso.
Doch ein beherzter Neuanfang ist erst möglich, wenn die Trennung vom Partner vollständig vollzogen wurde. Dann, wenn auch emotionale Klarheit herrscht. Dieser Zustand ist nicht immer mit der gerichtlichen Trennung erreicht.
Denn Trennung ist eine Entwicklung. Sie geschieht nicht von heute auf morgen. Sie durchläuft verschiedene Phasen.
Am Anfang steht für denjenigen, der verlassen wurde, der Schock. Die Tatsachen werden verleugnet oder ignoriert.
Der Verlassene fühlt sich wie in einem bösen Traum, betäubt und handlungsunfähig.
Es folgt eine Phase der Stimmungsschwankungen. Wut, Angst, Selbstzweifel wechseln. Auch der Körper leidet: Konzentrations-, Appetit- und Schlafstörungen sind die Regel.
Erst später beginnt die Neuorientierung. Schmerz und Enttäuschung sind immer noch da, bestimmen aber nicht mehr den Alltag. Neue Perspektiven werden gesucht und schließlich auch aktiv angegangen.
Ist die Trennung verarbeitet, ist das innere Gleichgewicht wieder hergestellt. Ein neuer Lebensabschnitt kann beginnen, in dem das Handeln nicht mehr durch die Enttäuschung der Trennung, dem Verlust des Partners, bestimmt ist.
Dieser gesamte Trennungsprozess kann durchaus mehrere Jahre dauern. In dieser Zeit ist es wichtig, auch die negativen Gefühle ganz und gar zu akzeptieren, sich ihrer bewusst zu sein. Es ist nicht notwendig perfekt zu funktionieren. Die Gefühle müssen ausgedrückt werden. Willenskraft und Tapferkeit bis zur Selbstaufgabe sind in dieser Zeit nicht erstes Gebot, im Gegenteil.
Ziel muss es sein, neben der gerichtlichen Scheidung auch die emotionale Scheidung zu vollziehen, damit ein Leben in innerer Freiheit geführt werden kann.
Leider ist dies nicht immer der Fall. Viele Ex-Partner vollziehen niemals den letzten Schritt. Sie definieren sich ein Leben lang nur noch als Ex-Partner.
Innerlich halten sie noch immer an der Partnerschaft fest. Auch wenn diese gescheitert ist, betrachten sie sich immerhin noch als den ehemaligen Partner von XY - und der Alltag gibt ihnen Recht.
Obwohl das Paar juristisch nicht mehr gebunden ist, bleiben sie durch ein unsichtbares Band an einander gekettet.
Selbständige Entscheidungen werden ohne das Gedankenspiel "was würde mein Ex dazu sagen?" nicht gefällt. Besonders wenn Kinder von der Scheidung betroffen sind, müssen Ex-Paare in alltäglichen Dingen häufig kommunizieren. Und stellen dabei womöglich fest: "Wir reden jetzt mehr miteinander als früher!"
Von vielen Ex-Partnern ist dies unbewusst gewollt. Sie suchen in Entscheidungsfragen den Kontakt zum Ex-Partner, auch wenn sie die Angelegenheit allein klären könnten. Das Gefühl der Bindung wird auf diese Weise aufrecht erhalten - doch der Preis ist hoch. Ein wirklicher Neuanfang ist so nicht möglich.
Gründe für dieses Verhalten müssen nicht immer in anhaltenden Liebesgefühlen liegen. Auch wenn für den Ex-Partner keine Liebe mehr empfunden wird, kann Wut oder einfach nur das Bedürfnis nach Vertrautem dazu führen, dass der Kontakt mit dem Ex-Partner über Sachfragen hinaus gesucht wird.
Doch erst wenn beide Ex-Partner wirklich losgelassen haben, ist ein wirklich konfliktfreier Umgang möglich, der beiden und vor allem den Kindern gut tut.
Kommentare
(Zum Kommentieren bitte im kinder.de Club anmelden)






