
Papa Zimmer - Warum der Name?
Haben sie sich als Vater schon einmal gefragt, welche Aufgabe ihnen eigentlich im Leben ihres Kindes zufällt?
Wahrscheinlich haben sie sofort eine Antwort zwischen „Windel-Verdiener“, lustiger Spielkamerad und strenger Erzieher (wenn es die Mama wieder einmal nicht von alleine schafft) parat. Egal wie sie es auch drehen: sie sind nur ein Zeuge für kurze Abschnitte, erleben die Fortschritte wie im Schnelldurchlauf.
Das Zauberwort heißt nämlich Zeit und diese fehlt ihnen als Brötchenverdiener, um das erste Wort aus dem Mund ihres Krümmels zu hören oder den ersten Schritt vom Babybett zum Lieblingshasen zu bestaunen. Doch das ist noch nicht alles.
Oder ärgern sie sich nicht auch im Stillen über die ausführlichen Tages-Beschreibungen ihrer Partnerin. Da wurde hier ein Kaffeeklatsch mit der PEKiP-Gruppe abgehalten („der Dennis kann schon krabbeln“), da war dort der zweite Geburtstag von Maren („sie konnte schon drei Worte hintereinander sagen“) aus dem Geburtsvorbereitungskurs usw., usw. ...
Zeit müßte man(n) haben ...
Viel schlimmer finde ich aber den Ausdruck in den Augen meines Zweijährigen, wenn wir zusammen morgens und abends essen, er vor mir fertig ist, aus seinem Kinderstuhl heruntersteigt, mich am Arm zieht und auffordert, mit ihm endlich zu spielen. Mit einem verschmitzten Lächeln kommt das „Papa. Zimmer?“ über seine Lippen, während er immer energischer an meinem Arm Richtung Kinderzimmer zieht.
Also am Morgen schnell den letzten Schluck Kaffee heruntergespült, noch ein kurzer Biß vom Marmeladen-Toast, dann auf die Uhr geschaut (wann fährt die Bahn) und ab in sein kleines Reich. Abends die gleiche Prozedur und wieder keine Zeit, in Ruhe zu essen. Und alles nur für diese kurze gemeinsame Zeit: zum Spielen, zum Reden, zum Kuscheln ...
Manchmal überlege ich mir neue Gesellschaftsmodelle, in denen ich von Zeitkonten für die Lebensarbeit träume. Ich gewähre mir jetzt für den Zeitraum von 8 – 10 Jahren eine kürzere Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich, um meinen Sohn ins Leben begleiten zu können.
Später werde ich diese gewährte Arbeitszeitverkürzung zwar nicht ganz aufholen können, habe aber für das bestehende oder ein zukünftiges Rentensystem meinen Beitrag in Form eines neuen Rentenbezahlers geleistet. Zumindest würde somit ein Anreiz geschaffen werden, endlich wieder Kinder in diese Welt zu setzen.
Sie meinen, diese Fantasie ist unbezahlbar? Nun, da wären wir beim Thema. „Papa Zimmer“ ist auch die Diskussionsplattform für Väter. Sie werden sich in dieser Kolumne nicht nur wiederfinden, sie sollen auch ihre Erfahrungen und Meinungen mit anderen Vätern austauschen. Von Papa zu Papa. Und wenn die Mama mal mit liest, so ist dies auch nicht schlimm. Ich freue mich jetzt schon auf ihre Beiträge...
Autor: Michael Boeneke (Email schreiben)
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