
Phasen im Beziehungsleben
Eine Beziehung wandelt sich im Laufe der Zeit, sie hat verschiedene Phasen, durch die die Partner gemeinsam gehen. Wer von dieser Gesetzmäßigkeit weiß und nicht erschüttert ist, wenn auch frustrierende Zeiten anbrechen, ist im Vorteil, denn er kann mit den "naturnotwendigen" Enttäuschungen und Streitereien besser umgehen - er kann um die Liebe kämpfen und weiß, dass es sich lohnt, nicht aufzugeben.
Am Anfang steht das Verliebtsein. Dieser Zustand ist fast mit einem Drogenrausch zu vergleichen - und tatsächlich: Der Partner funktioniert wie eine berauschende Substanz. Seine Anwesenheit ruft Glücksgefühle hervor, seine Stimme am Telefon verzaubert uns, ein Zettel mit Grußworten versetzt in entzücken. Ist der Partner nicht da, leiden wir unter Entzugserscheinungen.
Eine wunderbare Zeit! Genießen Sie diese Phase ohne sich viel Gedanken um das Später zu machen. Wenn sich zwei Menschen auf romantische Weise für einander interessieren, einander soviel Liebe und Aufmerksamkeit schenken, ist dies das wunderbarste auf der Welt.
Nach einigen Wochen oder Monaten beruhigt sich dieser Zustand von allein wieder. Doch in der Regel bleibt das Glück, nur nicht mehr auf ganz so euphorischem Niveau.
Jetzt werden ernste Zukunftspläne geschmiedet. Wie kann man näher zusammenrücken? Welche gemeinsamen Ziele hat man, die man gemeinsam angehen möchte? Eine neue Art der Nähe ist entstanden. Man glaubt, den Partner bereits besser zu kennen.
Doch Vorsicht ist geboten: Sowohl man selbst als auch der Partner präsentieren sich in dieser Phase überwiegend mit ihren Schokoladenseiten. Die Liebe, das gemeinsame Glück, steht im Vordergrund. Eigene Interessen werden gerne zurückgestellt, denn die Beziehung soll erhalten bleiben.
Das ändert sich in der nächsten Phase. Nun beginnt der Alltag zu zweit. Man hat den anderen kennengelernt, große Überraschungen sind nicht mehr zu erwarten. Das Gefühl des euphorischen Verliebtseins liegt schon länger zurück und dieser Verlust wird betrauert.
Gleichzeitig setzt wieder der gesunde Egoismus ein. "Ich brauche mehr Zeit für meine Interessen!" Dieser Satz kann schockieren, wenn einer der Partner noch nicht in dieser Phase der Beziehung angekommen ist. Gleichzeitig wird der Blick auf den Partner klarer - im positiven, oft aber auch im negativen Sinne. Die rosarote Brille des Verliebtseins wurde abgenommen.
In der darauffolgenden Zeit kann es kritisch werden. Der Beziehungsalltag ist eingekehrt. Der Blick auf das was beide trennt, wird schärfer. Jeder beginnt, sein Terrain abzustecken.
Was früher dem Partner zu liebe unternommen wurde, fällt gnadenlos flach. "Ich habe Fußball noch nie gemocht!", heißt es dann. Oder: "Zum Kochen bin ich viel zu müde, lass uns etwas am Telefon bestellen".
Streitereien häufen sich.
Diese Phase endet häufig mit dem Ende der Beziehung. Wenn die Liebe den Einsatz wert ist, ist dieser Abschnitt der Beziehung aber wichtig und entscheidet über das künftige Gelingen der Beziehung.
Denn hier zeigen die Partner, wie sie wirklich sind, wo ihre Interessen tatsächlich liegen. Wer auch nach dem Dauerstreit aufrichtig sagen kann "Ich liebe dich und dieses Gefühl ist es wert, dass wir zusammenbleiben", hat einen wesentlichen Meilenstein genommen.
Nun beginnt eine neue Phase: Die Liebe hat eine neue Qualität erreicht. Man hat die Phase der Streitereien gemeistert. Ein tieferes Verständnis für den Partner, seine Bedürfnisse, Stärken und Schwächen setzt ein.
Wichtig ist jedoch, dass trotz aller Harmonie, die Verletzungen der letzten Beziehungsphase aufgearbeitet werden, damit sie nicht als Erbe auf der Liebe lasten.
Erst danach setzt die Phase ein, die allgemein als "wahre Liebe" bezeichnet wird. Die Partner akzeptieren einander, empfinden sich als Einheit und dennoch kann jeder eigene Wege gehen ohne Angst vor dem Verlust der Liebe zu haben. Die Beziehung wird nicht mehr in Frage gestellt.
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