
Ralf Schmitz im Interview - Synchronsprecher der Figur „Crane“ der „furiosen Fünf“ in KUNG FU PANDA 2

- © 2011 ShamrockPhoto/Norbert Kesten für Paramount Pictures Germany
„Ich habe lange unter Kranichen gelebt.“
Wie wird man ein Kranich?
Ich habe lange unter Kranichen gelebt (lacht). Ich habe mich Wochen und Monate zurückgezogen und habe alle Zoos abgeklappert, die ich finden konnte und habe angefangen, auf dem Boden rumzupicken, habe mich in die Rolle hineingearbeitet – „method acting“ nennt man`s glaub ich. Mittlerweile komm` ich aus der Nummer nicht mehr raus. (lacht)
Finden Sie die Figur CRANE durchgehend sympathisch? Oder gibt es unsympathische Seiten?
Natürlich gibt es unsympathische Seiten, vor allem im ersten Teil. Crane war natürlich überheblich und hatte eine Arroganz, die er Gott sei Dank überwunden hat - wie alle anderen auch. Er hat lernen müssen, bei all dem, was er schon konnte, dass man sich eben nicht darauf ausruhen darf. Das war eine große Botschaft im ersten Teil. Und das füllt sich im zweiten Teil ein bisschen weiter. Er ist nicht mehr überheblich. Aber seine Sicht der Dinge, die ja ganz klar von „oben“ ist, ist glaub ich von Vorteil, weil er ja im letzten Moment nur noch hinunter stoßen kann und alle retten kann.
Sind Kraniche denn überheblich?
Das weiß ich nicht. Ich habe zwar lange mit ihnen zusammengelebt, aber die Sprache habe ich in dieser Zeit trotzdem nicht perfekt lernen dürfen. Die sagen ja auch nicht viel und sie leben ja sehr zurückgezogen. Spaß bei Seite – sie sind Fremden gegenüber erstmal skeptisch – aber dann geht`s.
Hätten Sie eine andere Rolle der „furiosen Fünf“ in KUNG FU PANDA 2 lieber gespielt?
Ehrlich gesagt: Nein. Ich hätte gerne mehr gesprochen (lacht). Ich habe sehr viele Geräusche gemacht, das war schon toll, weil ich es gerne tue. Die Figur find ich klasse, weil sie mal eine andere Figur war. Ich darf ja sonst immer diese etwas zügigeren Figuren sprechen, die relativ schnell unterwegs sind und die ein bisschen quirliger sind - und deswegen fand ich die Figur sehr reizvoll, weil sie eben langsamer ist und bedächtig und elegant und…ach so langsam wird mir klar, warum die mich gefragt haben (lacht). Aber es gibt ja vielleicht bald eine Fortsetzung, auch mit CRANE...
Kinderfilme haben es Ihnen ja so ein bisschen angetan – KONFERENZ DER TIERE, AB DURCH DIE HECKE, DER KLEINE EISBÄR – haben Sie einen Narren daran gefressen?
Ja. Weil man ein bisschen „Blödsinn“ machen darf und weil die Filme auch immer – Gott sei Dank zunehmend – viele Seiten transportieren. Auch jetzt im zweiten Teil von KUNG FU PANDA. Ich habe ganz oft gehört, er sei düsterer als der erste Teil, was sicherlich stimmt. Er ist ein bisschen mehr für „alle“. Er hat die komische Seite, ganz an vorderster Front. Aber auch Momente, die ein bisschen
ernster werden. Gerade das ist reizvoll und vor allem bei den Kinderfilmen nicht mehr der Fall: Man macht nicht nur Spaß, so wie es früher eher war, sondern man darf viele Facetten bedienen. Ich darf in einer Tierfigur viele Sachen machen, die ich bei einer Menschenfigur nicht dürfte - ich darf sehr über die Stränge schlagen und sehr übertreiben, aber auch normal klingen. Gerade die Facette finde ich schön.
Das Synchronisieren ist ja eigentlich ein enges Korsett für einen Komödianten.
Stimmt. Aber es gibt ja diesen schönen Spruch: Wo keine Grenzen sind, da hört Freiheit auf. Wenn man innerhalb fest gesteckter Bandbreite alles machen darf, dann ist das toll. Insofern ist das Korsett zwar sehr eng, das stimmt, weil die Figur schon besteht und auch der Charakter schon da ist und man ihn nicht erschaffen darf, aber man darf immer noch Nuancen liefern. Und diese Nuancen darf man nicht unterschätzen. Ich glaube, jeder würde CRANE anders sprechen, ob ich den jetzt spreche, vielleicht Hape, Jack Black oder Bettina Zimmermann ist völlig egal, er würde immer ein bisschen anders rüberkommen. Und das ist das, was es ausmacht.
Steht man beim Synchronisieren alleine in einem dunklen Raum? Ist das nicht schwierig, auf Leute reagieren zu müssen, die gar nicht da sind?
Stimmt. Ist schade, weil wir gerne auch miteinander arbeiten würden. Man könnte dann noch mehr interagieren, aber die Technikerkollegen schreien immer: Nein, das geht nicht, weil man den Ton „sauber“ braucht. Das heißt, wir stehen alle mutterseelenallein in einem dunklen Raum. Wir sehen die Szenen und müssen uns dann da hineinfinden. Man fühlt sich immer mehr in die Rolle ein und irgendwie hört man die anderen auch. Und man agiert ja auch. Da könnte auch eine Kamera mitlaufen, man würde CRANE glaube ich in mir erkennen. Ich hab das Pult einmal fast umgeschmissen, so stark agiert man. Man hört in der Stimme das Gefühl.
In KUNG FU PANDA 2 gibt es ja sehr viele düstere Seiten - die Andeutung von Völkermord, es gibt Herz-Schmerz und Drama. Ist es noch ein Kinderfilm?
Ich glaub ja! Die Anteile von viel Lachen und von Albernheit, Witz und Leichtigkeit sind genauso im Film drin wie auch zunehmend mehr die ernstere, düstere Seite. Auch mehr Kampfszenen sind drin, das stimmt schon. Es ist ein bisschen ernster geworden. Aber ich glaube auch, dass man die Kinder da nicht unterschätzen darf. Ich glaube, dass da einfach ein bisschen mehr möglich ist. Man muss natürlich ganz genau aufpassen bei Kindern, aber ich glaube nicht, dass man sie damit überfordert - im Gegenteil.
Warum ist KUNG FU PANDA 2 ernster geworden?
Ich glaube, dass es schlau ist, das zu tun. Wir alle entwickeln uns und müssen andere Aufgaben bestehen. Ich glaube, dass ein Film sich entwickeln und erwachsen werden muss. Bei Harry Potter war es genauso. Auch das Publikum wird älter und wächst mit. Und ich glaube auch, dass so ein Film das auch bedienen darf. Ein Film soll albern bleiben, darf aber auch in Stück erwachsener werden, denn dadurch wird Entwicklung transportiert.
Sie hatten ja auch eine klassische Tanzausbildung.
Die ist schon lange her. Der Vorteil davon ist, dass mein Körper macht, was er soll und ich nicht hinter meinem Körper her stolpere und ich mir denke – ups, was macht der da, jetzt muss ich aber mal darauf eingehen. Aber ich stehe nicht fünf Tage die Woche an der Stange und hüpfe durch die Diagonale.
Kommt es vor, dass etwas in Ihrer Arbeit auch mal nicht klappt?
Kreativität ist nicht permanent abrufbar. Aber ich glaube, dass man seinen Beruf nur dann professionell ausübt, wenn die schlechteren Tage immer noch so gut sind, dass es keiner merkt. Das verstehe ich unter Professionalität.
Sind sie ein selbstkritischer Mensch?
Ich glaube, dass man nachlassen würde, wenn man immer mit dem zufrieden ist, was man tut. Daher gucke ich mir auch vorwiegend Sachen an, die nicht geklappt haben und frage mich dann – warum ging das nicht?
Sind Sie noch aufgeregt?
Ja. Man sollte auch aufgeregt bleiben. Bühnenspannung, Auftrittsspannung – ganz wichtig. Wenn ich rausgehe und sage: Naja, dasselbe wie eben, brauche ich es nicht machen.
Man hört ja immer, dass die Chemie zwischen den Schauspielern eine große Rolle spielt. Ist das beim Synchronisieren auch der Fall?
Das spielt – leider – beim Synchronisieren überhaupt keine Rolle. Man spricht allein seine Stimme ein und das Technikteam baut das dann hinterher zusammen.
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| Alle Fakten auf einen Blick | |
| Kinostart: | 16.06.2011 |
| FSK: | ab 6 Jahren |
| Länge: | 90 Min |
| Website: | www.KungFuPanda2.de |
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