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Seelische Krisen nach der Geburt

Dreiviertel aller Mütter leiden nach der Entbindung unter einem Stimmungstief, das nach wenigen Tagen aber wieder vergeht.

An diesen sogenannten Heultagen können Angstgefühle, Appetitlosigkeit, starke Erschöpfungsgefühle, Schlafstörungen und verstärktes Weinen auftreten. Grund dafür ist die radikale hormonelle Umstellung nach der Geburt.

In seltenen Fällen entwickeln Mütter aber auch eine regelrechte Depression, die sogenannte Wochenbettdepression, auch postnatale Depression genannt.

Meist tritt die postnatale Depression innerhalb der ersten drei Monate nach der Entbindung auf.

Typische Symptome

Hier zeigen sich die typischen Symptome einer Depression, die in unterschiedlicher Intensität auftreten können: Versagensängste, Schuldgefühle, Angst, Schlafstörungen, Antriebslosigkeit.
Viele von einer Wochenbettdepression betroffene Mütter leiden besonders unter dem Ausbleiben liebevoller Muttergefühle gegenüber ihrem Neugeborenen.

Auch für die postnatale Depression ist die radikale Hormonumstellung nach der Geburt verantwortlich. Jedoch kann diese hormonell bedingte Depression durch das Unverständnis der Umgebung noch verstärkt werden und eine eigene Dynamik entwickeln, sodass eine reaktive Depression die Folge ist:

Ursachen für eine Depression

Durch das Gefühl des Versagens, das eine depressive Mutter mit sich herumträgt, brechen schnell auch bisher unbewusste psychologische Probleme oder Partnerschaftskrisen an die Oberfläche.

So werden z. B. bisher nicht wahrgenommene Minderwertigkeitsgefühle u. Ä. zu einem eigenständigen Problem, das unbedingt therapeutisch behandelt werden muss.

Auch Ihr Kind leidet!

Unter einer Depression leidet nicht nur die Mutter, sondern auch die Kindbeziehung. Ein Neugeborenes benötigt sehr viel Pflege und Zuwendung, die ihm die depressive Mutter in schweren Fällen nur bedingt zu geben fähig ist. Es besteht die Gefahr, dass das Neugeborene emotional unterversorgt bleibt.

Da mit einer Depression - egal welcher Ursache - häufig auch Selbstmordgedanken einhergehen, ist eine ärztliche Behandlung unbedingt notwendig.

Behandlungsmöglichkeiten

Eine postnatale Depression ist gut durch Medikamente zu behandeln, die in den Gehirnstoffwechsel eingreifen.
Hat die postnatale Depression eine Kettenreaktion anderer psychologischer Problem ausgelöst, ist eine Psychotherapie angezeigt.

Nehmen Sie die Behandlung einer Depression umgehend in Angriff! Scheuen Sie den Weg zum Psychiater nicht!
Eine unbehandelte Depression ist nicht eine Angelegenheit von wenigen Wochen, sondern kann sich über Monate oder auch länger erstrecken!

Eine andere Variante psychischer Störungen nach der Entbindung ist die postnatale Psychose, die ebenfalls durch die Hormonveränderung ausgelöst wird.

Statistisch gesehen kommt sie nur bei einer von tausend Frauen vor, stellt aber die schwerwiegendste Form psychischer Störungen dar.
Eine radikale Persönlichkeitsveränderung, Wahnvorstellungen und die Abwendung von der Realität treten nicht selten von einem Tag auf den anderen auf.

Frauen mit einer entsprechenden familiären Vorbelastung sind häufiger betroffen. Sollten in Ihrer Familie also Fälle von psychotischen Erkrankungen aufgetreten sein, sollten Sie diesem Umstand besondere Aufmerksamkeit schenken - natürlich ohne in unnötige Panik durch zu starke Selbstbeobachtung zu verfallen.

Ab wann kann eine Depression auftreten?

Bei manchen Frauen bricht die Psychose unmittelbar nach der Geburt aus, bei anderen erst Wochen später, verbunden mit starken Stressfaktoren, die besonders in Zusammenhang mit der Betreuung des Kindes stehen, z. B. chronischer Schlafmangel.

Eine Psychose muss in der Regel stationär behandelt werden, um die Patientin besser beobachten und betreuen zu können. In manchen Fällen - je nach Ausformung der Psychose - besteht eine Bedrohung von Mutter und Kind.

Wünschenswert wäre es, wenn Mutter und Kind gemeinsam in einer Klinik untergebracht werden könnten, um die Mutter-Kind-Bindung nicht zu gefährden. In Deutschland wird derzeit ein Pilotprojekt für dieses Modell entwickelt.

Informieren Sie sich bei Ihrem behandelnden Arzt und bei der Krankenkasse nach Kliniken, die ein solches Modell anbieten.

Informationen und Möglichkeiten der organisierten
Selbsthilfe: www.schatten-und-licht.de

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