
Serie: Kindergarten Kinder
- Für und Wider und Gewissensbisse
- Erfahrungen mit dem Kindergarten
Für und Wider und Gewissensbisse
Es ist soweit. Joshua kommt mit fast zweieinhalb Jahren in den Kindergarten. Er freut sich eigentlich bei Befragung schon darauf, wenn ich auch meine Zweifel habe, daß er weiß, was wirklich auf ihn zukommt. Wie soll er es auch wissen?
In unserer Familie gibt es zur Zeit zwei KiGa-Kiddies, mit denen er in regelmäßigem und guten Kontakt steht. Sein Freund aus unserem Haus geht nun ebenfalls seit zwei Wochen in den selben Kindergarten und die meisten Kinder aus unserer Umgebung tun es ihm gleich.
Joshua merkt es vormittags auf dem Spielplatz und berichtet mir abends dann ganz entsetzt, das alle Kinder wohl im „Kika“ seien. Wenn also alle Kinder KiGa-Kiddies sind, warum habe ich bei der Sache Gewissensbisse?
Vielleicht liegt es unter anderem daran, daß ich Joshua eine tolle Kindheit wünsche. Die Vorstellung, mein Sohn gerät jetzt schon in unser Erziehungs-system, läßt mich erschauern. Angenommen er möchte studieren, bedeutet das zusätzliche dreieinhalb Jahre zu den zwölf Jahren Schulausbildung und fünf Jahren Studium.
Andererseits können wir ihm alleine nicht den frühkindlichen Eindruck von Gemeinschaftssinn in einer größeren Gruppe vermitteln. Aus diesem Erleben und aus unserer „Erziehung“ und Vorstellung von Gemeinschaft und Gesellschaft resultiert letztendlich sein späterer Bezug und Umgang zu und mit eben dieser. Vielleicht hat dies u.a. auch die Wahl eines Integrationskindergartens gefördert.
Ein weiterer Punkt ist Joshuas Reaktion auf die neue Situation. Wie ich u.a. auch aus unseren Foren weiß, kommt es in der Eingewöhnungsphase ziemlich häufig zu Problemen. Die Angst des Alleingelassen werdens muß überwunden, die neue Umgebung erkundet und liebgewonnene Rituale vergessen oder auf den Nachmittag verschoben werden.
Des weiteren muß sich Joshua gegen die „Größeren“ aus seiner Gruppe zum ersten Mal in seinem Leben durchsetzen müssen. Dies wird alles nicht ohne Tränen ablaufen und wer kann in so einer Situation schon von sich behaupten, wirklich „hart“ zu bleiben. Dafür sind wir doch zu sehr Papas und Mamas und haben in der Vergangenheit zu oft Ausnahmen, in welcher Form auch immer, gemacht.
Weiterhin hoffen wir, Joshua wird seine Anfangszeit im Kindergarten nicht als Abschiebung ansehen. Zum Glück können wir diese Phase sehr ruhig und ohne Druck angehen und somit hoffentlich auch etwaige Probleme umschiffen. An seinem ersten Tag werde ich ebenfalls dabei sein, egal ob dies nun gut ist oder nicht.
Und es wird bestimmt nicht der letzte Tag sein, an dem ich meinem Sohn über die Schulter schauen werde. Und dann werde ich mir hoffentlich nicht mehr Gedanken darüber machen, ob die Entscheidung für den Besuch der Institution Kindergarten richtig war oder nicht.
Ich hoffe, dann ein fröhlich spielendes Kind zu sehen. Und jeden Abend wünsche ich mir viele tolle Geschichten von Joshuas Tag in seinem Kindergarten...
Autor: Michael Böneke (Email schreiben)
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