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Studie: Aggressionen unter Schülern

"Bullying" / "Mobbing" - wenn Kinder ausgegrenzt werden

In der Schule wird immer wieder unter Kindern gemobbt. Die Opfer leiden, die Täter wissen oft nicht, was sie mit ihrem Verhalten auslösen. Lesen Sie mehr zu den Folgen des Mobbings und einem Ergebnis aus der Bullying-Forschung.

"Wenn du das nicht machst, bist du nicht mehr meine Freundin - hier dient die soziale Beziehung als Vehikel der Verletzung" erläutert Mechthild Schäfer, Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für psychologische Forschung in München.

Ihre 1995 veröffentlichte Studie "Aggression unter Schülern" hat maßgeblich dazu beigetragen, dass das Mobben unter Kindern zum öffentlichen Thema wurde. Von 392 befragten Schülern bekannten sich ein Viertel der Jungen dazu, unliebsame Mitschüler zu schikanieren. Bei den Mädchen weniger als 10 Prozent.

Ist Bullying männlich?

Mädchen sind genauso aggressiv wie Jungs, nur versteckter. Als Täter zeigen Mädchen eindeutig mehr Beziehungsaggressionen: "Wenn du das nicht machst, bist du nicht mehr meine Freundin". Bei den Opfern ist das Geschlechtsverhältnis ausgeglichener.

In der Befragung gaben 21 Prozent der Jungen und Mädchen an, versteckt oder offen schikaniert worden zu sein. Die Folgen des Bullying für die Opfer hat die  Wissenschaftlerin Mechthild Schäfer in einer Studie durch die Befragung von 211 Pädagogikstudenten erfasst. In einem Fragebogen mussten sich die Probanden rückwirkend ihrer Bullying-Erfahrungen erinnern und deren Auswirkung auf den "Spaß an der Schule" einschätzen.

Die Ergebnisse waren erstaunlich: Frauen, die angaben, als Kind Opfer von Aggressionen gewesen zu sein, verfügten über ein gleich hohes Selbstbewusstsein wie ihre unbehelligten Geschlechtsgenossinnen.

Die Männer litten mehr unter den Folgen

Den befragten Männern hatte die kindliche Opferrolle langfristig mehr zugesetzt: Ihr Selbstwertgefühl lag unter dem der Kontrollgruppe. Warum verkraften Männer Bullying-Erfahrungen weniger als Frauen? Mechthild Schäfer erklärt dies mit dem Rangordnungsprinzip der Jungen: "Hier gilt, wer aus der Gruppe draußen ist, bleibt bis auf Weiteres draußen."

Weil Jungen, die abgelehnt werden, gleich aus der gesamten männlichen Rangordnung fallen, haben sie oft keinerlei Chancen, soziale Kompetenzen zu erwerben - mit weitreichenden Folgen bis ins Erwachsenenleben.

Deshalb sollte die "Schule allen Kindern adäquate Möglichkeiten bieten, diese Kompetenz zu erlangen", fordert Mechthild Schäfer. Sie schlägt ein "General Agreement" vor, in dem alle Schüler einer Schule darüber befinden, was als zwischenmenschliches Fehlverhalten auf den Index kommt. In England hat man mit dieser Art des "gegenseitigen Einvernehmens“ bereits gute Erfolge erzielt.

Quelle: Psychologie heute (Januar 98)


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