
Versöhnen und Verzeihen
Ähnlich wie konstruktives Streiten ist wahres Versöhnen und Verzeihen eine gar nicht so leichte Angelegenheit. Viele Menschen tun sich schon beim ersten Schritt schwer: Beim um Entschuldigung bitten.
Schließlich gehört dazu die Einsicht, dass man etwas falsch gemacht hat. Und wer gesteht sich Fehler schon gerne ein?
Da ist es einfacher, dem anderen Überempfindlichkeit zu zu schreiben. Denn um Vergebung zu bitten, dafür muss man seinen Stolz beiseite lassen. Da begibt man sich in die Position des Bittenden, dem die Entschuldigung auch um die Ohren gehauen werden könnte.
Damit die Chance auf Versöhnung größer wird, ist es wichtig, dass eine Entschuldigung nicht nur aufrichtig gemeint ist, sondern dass dies auch entsprechend gezeigt wird.
Ein schnödes "entschuldige" klingt in den Ohren eines tief gekränkten Menschen lapidar - und dies zu Recht!
Zu einer Entschuldigung gehört mehr. Zum Beispiel muss der Sachverhalt der Kränkung genau benannt werden. Worin bestand die Kränkung? Dem Gekränktem ist es wichtig, dass der Kränkende genau weiß, worin seine Schuld besteht.
Eine Entschuldigung klingt auch glaubwürdiger, wenn sich der Kränkende in die Gefühle des Gekränkten einfühlen kann. Warum also nicht zu verstehen geben, dass man nachvollziehen kann, wie sich der andere fühlt?
Für kränkendes Verhalten sollte es immer eine Erklärung geben, die dem Gekränktem plausibel gemacht werden kann. Diese Erklärung sollte allerdings nicht darauf hinauslaufen, dass der Kränkende die Kränkung seinem Charakter zu schreibt.
Besser ist es, besonders wenn es der Wahrheit entspricht, wenn die Kränkung einem Ausnahmezustand entsprungen ist, also nicht zur Regel werden kann.
Eine Entschuldigung klingt nicht nur besser, wenn der Schuldige wirklich zerknirscht ist. Sie ist auch besser! Besonders wenn der Kränkende seine Zerknirschung zeigen kann.
Zu einer Versöhnung gehört aber nicht nur die Aussprache, sondern auch die Sühne. Dies kann besonders bei tiefen Kränkungen wichtig sein. Der Gekränkte sieht dann, wie wichtig dem Schuldigen die Versöhnung ist. Blumen, Kinokarten, Parfum sind dabei bewährte Mittel. Aber auch eine Massage, eine lang aufgeschobene Reparatur oder ein selbst geschriebenes Gedicht zeigen, dass die Versöhnung von Herzen gewünscht wird.
Doch mit dem um-Verzeihung-bitten ist es noch lange nicht getan. Der andere muss schließlich zum Verzeihen bereit sein.
Doch Kränkung verursacht nicht nur Trauer, Schmerz und Enttäuschung, sondern auch Wut und Rachegelüste!
Die Fähigkeit zu verzeihen, ist für viele Menschen nicht leicht. Wenn das Selbstwertgefühl getroffen wurde, reagiert der Mensch, egal ob Mann oder Frau, rasch damit, dass er zurückschlagen möchte.
Doch wirklichen Frieden bringt nur das Verzeihen.
Alles andere raubt Energie, fesselt den Gekränkten an das negative Erlebnis. Verzeihen hingegen ermöglicht die Befreiung und Überwindung davon. Der Akt des Verzeihens ist weniger wichtig für den Kränkenden, auch wenn ihm eine Last von den Schultern genommen wird. Verzeihen ist in erster Linie für den Gekränkten wichtig.
Doch wie weit der Gekränkte zu dieser befreienden Verzeihung in der Lage ist, hängt von seinem subjektivem Empfinden ab, wie stark die Kränkung empfunden wurde. Dies kann niemand anderes als der Gekränkte selbst entscheiden. Verzeihen ist vor allem ein gefühlsmäßiger Vorgang, der allerdings ein wenig mit dem Willen gesteuert werden kann.
Neben den subjektiven Gründen für die Unmöglichkeit des Verzeihens, gibt es aber auch objektive Gründe, die keine Milde erlauben.
Dazu gehören körperliche und seelische Grausamkeit und Gewalt, notorisches Fremdgehen oder massive Enttäuschungen in Notlagen, z.B. wenn man vom Partner im Stich gelassen wurde, in einer Zeit, in der man ihn am dringendsten gebraucht hätte.
Da können und SOLLTEN auch die gefühlvollsten Entschuldigungen nichts mehr helfen.
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