
Woher kommt aggressives Verhalten?
Wenn Aggressionen bei Kindern auftreten, fragen sich die Eltern, woher sie kommen. Wissenschaftler führen genetische Faktoren und das Umfeld als Ursachen auf. Lesen Sie, wie ein Teufelskreis der Aggressionen entstehen kann.
Viele Wissenschaftler haben versucht herauszubekommen, woher aggressives Verhalten kommt. Heute vertritt man den allgemein anerkannten Standpunkt, dass sowohl genetische Faktoren als auch nach der Geburt Erworbenes eine Rolle spielen.
Im Allgemeinen zeigen Jungen drei- bis viermal häufiger aggressives Verhalten als Mädchen. Bei Mädchen ist aggressives Verhalten jedoch schwieriger zu beobachten, da sich das Verhalten weniger im körperlichen und vermehrt im verbalen Bereich äußert.
Anlagen für aggressives Verhalten
Genetische Einflüsse können bei der Entwicklung aggressiven Verhaltens eine Rolle spielen. So kann sich das Verhaltensmerkmal Aggression durch viele Generationen hindurchziehen. Experten fanden in Studien heraus, dass aggressive Kinder auch häufig aggressive Eltern bzw. Elternteile haben.
Das Umfeld beeinflusst aggressives Verhalten
Einen größeren Einfluss auf das Verhalten der Kinder hat das Umfeld. Kinder übernehmen bestimmte Verhaltensmuster von ihren Eltern: Aggressives Verhalten wird durch Lernen erworben und aufrecht erhalten.
Das Verhalten stabilisiert sich, wenn sich aggressives Verhalten für das Kind praktisch lohnt und es durch aggressive Handlungen ein bestimmtes Ziel erreicht:
Ein Beispiel: Der kleine Daniel möchte unbedingt ein Stück Schokolade haben. Seine Mutter weist ihn darauf hin, dass es gleich Mittagessen gibt und er bereits Schokolade gegessen hat. Daraufhin zeigt Daniel die ersten Anzeichen eines Wutanfalls. Die Mutter lenkt ein und gewährt dem Kind das Gewünschte. Dadurch hat sie ihren Sohn ungewollt in seinem Verhalten gestärkt. Das Kind wird dieses Verhalten wahrscheinlich beibehalten und eine immer geringere Toleranzschwelle entwickeln.
Das Kind kann durch aggressives Verhalten auch unangenehmen Situationen entkommen. Durch Weinen oder Toben wird das Kind von Pflichten befreit oder nicht zur Rechenschaft für sein Verhalten gezogen.
Durch die Reaktionen seines Umfelds bemerkt das Kind, dass es mit seinem Verhalten sehr viel erreichen kann. Entweder kommt es um unangenehme Situationen herum oder es bekommt das Gewünschte. Auch zieht das Kind durch seine Aggressionen viel Aufmerksamkeit auf sich.
Natürlich sind das keine Prozesse, die das Kind bewusst durchschaut und steuert. Vielmehr bedarf es oft einen Blick von außen, um solche Muster aufzudecken und zu ändern. Nicht zuletzt leidet das Kind selbst unter seinen Ausbrüchen.
Teufelskreis aus Aggressionen und Ablehnung
Hinzu kommt, dass aggressive Kinder, Probleme in der Informationsverarbeitung haben. Sie interpretieren Situationen falsch, unterstellen anderen Personen schnell eine feindselige Absicht, wodurch die Bereitschaft für aggressives Verhalten erhöht wird.
Sie haben große Schwierigkeiten, mit mehrdeutigen Situationen umzugehen und erwecken häufig den Eindruck, unsensibel zu sein. Schließlich kommt es zu einem Teufelskreis von Aggression und Ablehnung.
Aggressives Verhalten führt dazu, dass sich das betroffene Kind immer mehr isoliert und isoliert fühlt. Es stört und fühlt sich als Störenfried. Es wird sich der Zuwendung anderer unsicher. Dies führt zu einer Verstärkung des aggressiven Verhaltens. Weitere Probleme, wie Schulschwierigkeiten, können auftreten.
Autorin: Martina Jeblick, Dipl. Pädagogin
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