Ein Brief aus der Arche

„Ein Brief aus der Arche“ vom Autorenduo Lena Hesse und Philipp Winterberg ist ein phantastisch angelegtes Vorlesebuch, das Kinder der empfohlenen Altersklasse ab drei Jahren gut erreichen dürfte – sowohl in seinen Kernthemen Angst und Freundschaft, als auch in den ganzseitigen, barock angelegten Illustrationen zum Entdecken und Staunen.
Ein Brief aus der Arche
Ein Brief aus der Arche

Max und Alexa, das sind zwei Postraben auf dem Weg zum unheimlichsten Ort der Welt, dem Wrack der Arche Noah. Dorthin sollen sie einen Brief bringen. Normalerweise sind sie stolze Raben, doch diesmal haben sie Angst: Die Flügel schlottern ihnen, im Bauch sitzt ihnen die Furcht, denn eins ist klar: Keiner kann wissen, welche finsteren Gestalten sie auf der Arche erwarten. Doch dann, als die Raben das gruselige Wrack betreten, treffen sie auf ein einigermaßen skurriles Völkchen – die Furchtlinge. Es sind die Nachkommen der Urururururueinwohner der Arche, die vor Urzeiten auf dem  Schiff Zuflucht vor einer großen Flut gesucht haben und noch immer auf ihm verharren. Furchtlinge heißen sie deshalb, weil sie Angst vor allem Möglichen haben: Vor Spinnen und Mäusen, vor Blitzen im Kleiderschrank, vor Tiefen und Höhen  – und manche haben sogar Angst vor sich selbst. Doch jetzt, da die Arche endgültig zu zerfallen droht, bleibt ihnen gar nichts anderes übrig, als sich ein neues und sicheres Zuhause zu suchen. Vielleicht können ihnen die Postraben dabei helfen? Am Ende der Geschichte erkennen sie, dass nur Vertrauen wirkliche Sicherheit gibt und was eine tiefe Freundschaft alles bewirken kann.

Das Buch macht Spaß, nicht nur Kindern, sondern auch dem Vorleser. Das ausdrucksstarke Farbspiel zwischen dunklen Tönen und leuchtenden Farben der Furchtlinge betont die düstere Stimmung auf der Arche und verleiht der Geschichte eine besondere Atmosphäre. Die Textpassagen sind stark reduziert, die Illustrationen hingegen füllen jeden Winkel des Buches. Auf diese Weise lassen die Autoren der kindlichen Fantasie- und Gefühlswelt einen ganz eigenen Raum. Im inneren der Arche sind Gegenstände nur schemenhaft im kärglich einfallenden Tageslicht zu erkennen, das Unheimliche ist fast greifbar – dadurch werden sehr schön nachvollziehbar die Gefühle der ängstlichen Gestalten vermittelt. Der einfache Text ist bildbegleitend und in Typographie so angelegt, dass das die angesprochenen Gefühle beim Vorlesen noch stärker transportiert werden: Buchstaben sind mal groß, mal klein, sie tanzen vor Angst schlotternd aus der Reihe, verdoppeln ihren Herzschlag und regen zum lautmalerischen Vorlesen an. Auf diese Weise hat auch der Vorlesende Spaß, in dessen Gesicht die Kinder wie in einem offenen Buch lesen und verstehen können.

Die Autoren

Lena Christina Hesse wurde 1981 in Winterberg im Hochsauerlandkreis geboren. Nach einer Ausbildung zur Printmediengestalterin studierte sie an der Fachhochschule in Münster Design und Fotografie. Philipp Winterberg, Jahrgang 1978, studierte Kommunikationswissenschaft, Psychologie und Jura.

Fazit

Das Autorenduo legt mit der ideenreichen Geschichte beinahe ein kleines Kunstwerk vor: Reiche, phantastische und durchgehend vierfarbig angelegten Illustrationen, einer etwas grotesken, aber freundlichen Grundstimmung und einer Kernbotschaft, die schon die Kleinsten erreichen dürfte: Angst hat viele Ursachen, doch manchmal sind sie winzig klein. Großartig und witzig umgesetzte Idee, Ängste darzustellen und wie man sie in den Griff bekommt.
Sonja Leibinger
Titel: Ein Brief aus der Arche
AutorIn: Hesse, Lena; Winterberg, Philipp
Verlag: Aracari Auflage 1 (24. August 2011)
Geb. Ausgabe, 28 Seiten
ISBN: 978-3-905945-17-1
€ 14,90

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