Mit dem Baby gebärden

Wenn kleine Kinder etwas wollen, fehlen ihnen oft buchstäblich die Worte. Der neueste Trend geht darum zur Baby-Zeichensprache. Auf diese Weise können Eltern und Kinder auch ganz ohne Sprache miteinander kommunizieren.
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Sprache erleichtert vieles. Sie trägt dazu bei, das auszudrücken, was man möchte oder klar zu machen, was man nicht möchte. Und für Eltern ist es oft eine große Erleichterung, wenn das Kind mit dem Sprechen beginnt und so sagen kann, was ihm fehlt. In den USA und in Großbritannien sowie in Skandinavien setzen viele Eltern schon seit einigen Jahren auf die Babygebärdensprache als Form frühkindlicher Förderung. Und damit eine Kommunikation auch schon möglich ist, bevor das Baby reden kann, entscheiden sich auch inDeutschland inzwischen mehr Eltern für die Baby-Zeichensprache.
Das Prinzip ist einfach: Weil die Kleinen noch nicht in der Lage sind, sich in Worten auszudrücken, werden ihnen für bestimmte Dinge entsprechende Zeichen beigebracht. Angelehnt sind sie in der Regel an die Gebärdensprache, die auch gehörlose Menschen benutzen. Allerdings sind die Zeichen, die in der Kommunikation mit Babys genutzt werden, meist stark vereinfacht.

Das richtige Alter für die Zeichensprache

Klar ist: Um die Zeichensprache zu erlernen, müssen die Kleinen schon über einige wichtige motorische Fähigkeiten verfügen. Schließlich gilt es, die Hände zur Kommunikation richtig zu benutzen. Das ist ungefähr mit sechs bis neun Monaten möglich. Nämlich dann, wenn das Kind schon Gesten nachahmen kann, auf Gegenstände zeigt oder von sich aus Gebärden wie zum Beispiel „winke-winke“ benutzt. Auch die Fähigkeit, Wörter Gegenständen zuzuordnen ist eine wichtige Voraussetzung für das Erlernen der Babyzeichensprache.

Kinder nicht überfordern

Damit die Kleinen nicht den Spaß an der Zeichensprache verlieren und womöglich frustriert sind, ist es wichtig, dass sie nicht überfordert werden. Das Lernen der Zeichen und die Kommunikation sollen dem Baby Spaß machen, praktisch nebenbei stattfinden und in den ganz normalen Alltag mit den Kleinen eingebunden werden. Sinnvoll ist es darum, zunächst mit Zeichen zu beginnen, die die Grundbedürfnisse des Kindes aufgreifen. Ein Zeichen für Essen zum Beispiel kann dabei helfen, das Miteinander zwischen Eltern und Kindern zu erleichtern. Indem Eltern immer wieder das gleiche Zeichen machen, wenn sie dem Kind etwas zu essen anbieten, verstehen schon die Kleinsten, welches Zeichen für den Begriff „Essen“ angewendet wird.
Beachten sollten Mütter und Väter auch, dass sie immer Blickkontakt zu den Kleinen aufnehmen, wenn sie ihnen neue Gebärden beibringen und dass das Kind diese richtig sehen kann. Denn nur so wird die Babyzeichensprache zu einem Erfolg.
Klar ist auch: Das Anwenden der Babyzeichensprache verhindert keineswegs, dass Kinder nicht mehr weinen oder dass sie auch einmal unzufrieden sind. Doch es sorgt für ein besseres Verständnis zwischen Eltern und Kindern.

Reden nicht vergessen

Sprache ist wichtig für die Entwicklung der Kleinsten. Und selbst, wenn sie sie noch nicht selbst anwenden können, saugen Jungen und Mädchen Wörter auf und beginnen irgendwann damit, sie nachzuahmen, Laute zu bilden und schließlich Wörter zu sprechen. Ganz wichtig ist es darum immer auch, dass Eltern trotz der Zeichensprache mit ihrem Kind reden. Denn Gebärden sind kein Ersatz für Wörter. Sie unterstützen nur dabei, schon mit dem Baby zu kommunizieren, wenn es noch nicht sprechen kann. Zeigen Eltern zum Beispiel das Zeichen für Ball, sollten sie immer auch das passende Wort langsam und deutlich aussprechen. Auf diese Weise gelingt es dem Baby, einen Bezug zwischen der Sprache, der non-verbalen Kommunikation und dem Gegenstand selbst herzustellen.

Unterschiedliche Kursangebote

Eltern, die sich nicht selbst die Gebärden für unterschiedliche Dinge überlegen möchten und die sich einen Austausch mit anderen Müttern und Vätern sowie eine professionelle Anleitung wünschen, können entsprechende Kurse besuchen. Dort lernen sie nicht nur die wichtigsten Gebärden kennen. Sie erfahren auch, wie sie ihrem Kind diese Zeichen am besten auf spielerische und kindgerechte Weise beibringen.
Neben Workshops für Eltern gibt es auch Veranstaltungen, die gemeinsam mit den Babys stattfinden. Dort wird gemeinsam gesungen, gespielt und eben auch gebärdet.

Keine aussagekräftigen Studien

Was aber bringt die Zeichensprache für die Entwicklung der Kleinen? Eine konkrete Antwort auf diese Frage kann nicht gegeben werden. Denn bisher gibt es keine fundierten wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber, ob die Kleinen durch die Gebärden auch zu besseren Sprechern werden. Auch wenn einige Verfechter der Zeichensprache dies betonen. Klar ist jedoch, dass die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern durch den Einsatz der Baby-Zeichensprache schon sehr viel früher möglich ist.