Wie sich das Baby im ersten Jahr entwickelt

Babys sind ein wahres Wunder. Schon im Mutterleib wachsen sie in großen Schritten von einer einfachen Eizelle zu einem lebensfähigen Menschen heran und erkunden bereits vor der Geburt ihre Umgebung mit ihren Händen. Sie lauschen den Geräuschen im Bauch der Mutter und merken sich die Stimmen ihrer Eltern. Sobald sie auf der Welt sind, wollen Babys mit all ihren Sinnen die Welt entdecken und täglich etwas Neues lernen. Besonders in ihrem ersten Lebensjahr lernt Ihr Baby viel dazu und entwickelt sich schnell vom hilflosen Neugeborenen zum aktiven Entdecker.
Babys entwickeln sich in den ersten zwölf Monaten rasend schnell.Melpomene | fotolia.com

1. bis 3. Monat: Mit den Sinnen lernen

Babys lernen jeden Tag dazu. In den ersten drei Monaten ihres Lebens sind sie schon erstaunlich aktiv und erkunden schon ihre Umgebung sowie die Menschen in ihrem direkten Umfeld.
Mehr als nur essen und schlafen
Zwar besteht das Leben Ihres Babys im ersten Monat vor allem aus häufig essen und viel schlafen, aber auch Neugeborene sind schon sehr an ihrer Umwelt interessiert und registrieren vieles. Und das, obwohl sie nur eine Sichtweite von etwa 30 Zentimetern haben und noch sehr verschwommen sehen.
Auch sonst sind Neugeborene schon besser auf das Leben außerhalb des Mutterleibes vorbereitet als man so meint. Sie haben frühkindliche Reflexe, die ihnen beim Überleben helfen, allen voran der Suchreflex nach der Brust der Mutter in Kombination mit dem Saug- und Schluckreflex. Neben dem Schreit- und Atemschutzreflex haben Neugeborene Reflexe, die für den Gleichgewichtssinn zuständig sind und diesen trainieren.
Vor allem in den ersten Tagen haben Neugeborene noch keinen Tag- und Nachtrhythmus. Sie müssen erst lernen, wann es Schlafenszeit ist und wann gegessen und gespielt wird. Das pendelt sich nach etwa sechs bis acht Wochen ein. Einen richtigen Schlaf- und Wachrhythmus haben Babys aber erst nach ein paar Monaten.
Zu Anfang sieht Ihr Baby noch sehr zerknautscht aus und haben die Arme und Beine noch angewinkelt. Das ist die Haltung, die sie noch aus dem Mutterleib gewohnt sind. Die Gesichtszüge werden sich aber schnell glätten und sobald es gelernt hat, dass es nun mehr Platz zur Verfügung hat als in Ihrem Bauch, wird das Baby seine Gliedmaßen strecken.
Tasten und greifen
Im zweiten Monat beginnt Ihr Baby dann schließlich, immer gezielter nach Gegenständen zu greifen. Das Festhalten funktioniert bereits, das bewusste Loslassen entwickelt sich erst noch. Insgesamt werden die bisher eher ruckartigen Bewegungen kontrollierter und etwas flüssiger. In der Bauchlage können viele Babys jetzt den Kopf anheben.
Ihr Baby nimmt nun seine Umgebung noch bewusster und intensiver wahr. Das Sehvermögen und das Hören verbessern sich, sodass das Baby nun Gegenstände und bekannte Personen mit den Augen verfolgt und sich zu Geräuschquellen hinwendet. Mobiles und Gegenstände mit bunten Farben und klaren Strukturen sind jetzt besonders interessant.
Auch seine Emotionen kann das Baby ab dem zweiten Monat immer besser ausdrücken und wird Ihnen ein erstes Lächeln schenken. Außerdem macht es erste Sprechübungen, in dem es glucksende und gurrende Laute von sich gibt und sozusagen erste Gespräche mit Ihnen führt.
Strampeln, was das Zeug hält
Ab dem vierten Monat erforschen Babys Hände und Füße intensiv.Ab dem dritten Monat hat sich das Helligkeitssehen fertig entwickelt, Ihr Baby erkennt nun auch Farben und findet kontrastreiche Muster und alles, was sich bewegt, sehr spannend.
Es lernt nun allmählich, Dinge kontrolliert zu greifen und wieder loszulassen. Da der Greifreflex nachlässt, wird es Rasseln oder andere Gegenstände anfangs schnell wieder fallen lassen. In der Bauchlage kann es den Kopf immer besser anheben und beginnt ab dem dritten Monat damit, sich auf den Unterarmen abzustützen.
Und auch sonst wird Ihr Baby immer aktiver und bewegungsfreudiger, es strampelt nun kräftig, um die Muskeln für das spätere Krabbeln und Laufen zu trainieren. Im Liegen winkelt es nun die Beine an und übt damit das Sitzen.

4. bis 6. Monat: Der Reiz der Bewegung

Aus dem zerknautschten Neugeborenen ist mittlerweile ein bewegungsfreudiges Baby geworden, das strampelt und sich hin und her rollt – auch auf dem Wickeltisch. Daher ist Vorsicht geboten, damit dem kleinen Entdecker nichts passiert.
Es gibt viel zu entdecken
Ab dem vierten Monat beginnt Ihr Baby damit, Gegenstände, die es nun immer besser greifen kann, genauer zu erforschen. Dazu tastet es alles ab, schaut sich Gegenstände gut an und auch der Mund kommt bei der Entdeckungstour ständig zum Einsatz.
Auch der eigene Körper wird für Ihr Baby immer interessanter. Es betrachtet und befühlt vor allem seine Hände und Füße sehr intensiv.
Gleichzeitig erkennt das Baby auch Gegenstände in immer größerer Entfernung und kann sie immer länger anschauen. Es möchte verstärkt seine Umgebung betrachten und die Leute in seinem Umfeld beobachten. Halten Sie Ihr Baby daher immer wieder so, dass es alles gut im Blick hat.
Wer bist denn du?
Ihr Baby ist ab dem vierten Monat auch verstärkt darauf aus, mit Ihnen und anderen Menschen Kontakt aufzunehmen. Neben dem bewussten Anlächeln wird es nun vermehrt seine Arme nach Ihnen ausstrecken, um Ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Das Baby will dadurch Nähe aufbauen und aufrechterhalten.
Es lernt allmählich, zwischen vertrauten und fremden Menschen zu unterscheiden und Sympathien zu entwickeln. So wird es gezielt bestimmte Personen anlächeln und den Kontakt zu ihnen suchen. Außerdem kann es nun verschiedene Gefühlsregungen anderer anhand des Tonfalls und der Stimme wahrnehmen.
Nicht mehr bloß Muttermilch
Nach und nach wird die Mutter- oder Säuglingsmilch das Baby nicht mehr richtig satt machen. Dann ist es Zeit für die erste Beikost, die Sie ab dem fünften Monat geben können. Vorher ist die Verdauung des Babys noch nicht ausgereift genug, um eine solche Nahrung zu verdauen. Am besten eignet sich Gemüsebrei als Beikost, da er gut verträglich ist und viele wichtige Vitamine und Mineralstoffe für das Baby enthält. Später können Sie ihn leicht mit Fleisch erweitern.
Ab dem fünften Monat gibt es die erste Beikost.Da das Baby das Essen erst lernen muss, sollten Sie ihm geduldig und immer wieder Brei anbieten und es damit vertraut machen. Wichtig dabei ist, dass das Baby für das Essenstraining körperlich fit und bei guter Laune ist. Damit es nicht zu satt, aber auch nicht zu hungrig ist, sollten Sie es zwischen den regulären Mahlzeiten mit Beikost versuchen. Denn ein Baby, das hungrig, müde oder krank ist, wird sich nicht gerne auf das Lernen und Experimentieren einlassen.
Die ersten Zähne
Ab dem sechsten Monat können sich die ersten Zähne Ihres Babys ankündigen. Das merken Sie vor allem daran, dass es verstärkt auf Gegenständen herumkaut und viel Speichel produziert. Ihr Baby kann in dieser Phase auch sehr weinerlich sein.
Wenn die ersten Zähne kommen, werden viele Babys krank. Gegen die Schmerzen beim Zahnen helfen Beißringe und spezielle Cremes, die Sie direkt auf dem Zahnfleisch des Babys verteilen. Auch homöopathische Mittel auf Kamillebasis können helfen, da sie eine entzündungshemmende Wirkung haben.

7. bis 9. Monat: Auf eigene Faust unterwegs

Ihr Baby entwickelt sich munter weiter und wird immer mobiler. Es erforscht seine Umwelt zunehmend selbstständig, sodass langsam gewisse Umbaumaßnahmen getroffen werden müssen.
Erste Krabbelversuche
Babys werden im Laufe der ersten Monate immer mobiler.Ab dem siebten Monat reifen die motorischen Fähigkeiten Ihres Babys weiter aus. Es kann Spielzeug und andere Dinge nun schon einhändig greifen und damit Geräusche machen, in dem es Rasseln schüttelt oder Gegenstände auf den Tisch oder Boden schlägt.
Viele Babys rollen sich ab dem siebten Monat nicht mehr bloß hin und her, sondern drehen sich auch von dem Rücken auf den Bauch und umgekehrt. So langsam können sie eigenständig sitzen, was anfangs noch recht wackelig ist und nur mit Unterstützung funktioniert, gegen Ende des neunten Monats aber schon alleine klappt.
In dieser Phase startet Ihr Baby auch erste Robb- oder Krabbelversuche, mit denen es sich nach und nach immer selbstständiger fortbewegt, um seine Umwelt zu erkunden. Es wird auch damit beginnen, sich an Tischbeinen oder Stühlen hochzuziehen.
Das Haus kindersicher machen
Sobald Ihr Baby beginnt, sich selbstständig im Haus zu bewegen und sich später auch an Möbeln hochzieht, ist Vorsicht geboten. Denn im Haus lauern viele Gefahrenquellen, die Sie mit den geeigneten Maßnahmen absichern sollten. So ist es eminent, die Steckdosen mit einer speziellen Kindersicherung auszustatten, da Babys neugierig alles ertasten und auch vor Stromquellen nicht Halt machen und sich daher schnell einen gefährlichen Stromschlag zuziehen können.
Aus dem gleichen Grund sollten keine Kabel offen herumliegen, an denen Babys durchaus knabbern oder sich anderweitig Stromschläge zuziehen können. Auch das Treppenhaus sollten Sie absichern. Krabbelnde Babys erkunden gerne Treppenstufen und versuchen sich daran hochzuziehen. Damit Ihr Baby nicht direkt an die Treppe kommen und sich durch einen Sturz böse verletzen kann, sollten Sie Babygitter an jedem Ende der Treppe anbringen.
Schubladen und Schränke werden für Ihr wissbegieriges Baby zunehmend interessanter. Darin befinden sich aber oftmals Gegenstände, die nicht kaputtgehen dürfen oder eine Gefahr für das Baby darstellen. Um auch die Schränke und Schubladen kindersicher zu machen, die Sie nicht abschließen können, lassen sich Schließmechanismen anbringen. Sie sind für Erwachsene leicht zu bedienen, verhindern aber, dass Kinder an die Inhalte drankommen.
So klappt das nicht
Da Ihr Baby nun verstärkt auf eigene Faust seine Umwelt erforscht, stößt es bei seinen Entdeckungstouren nun auch an seine Grenzen. Es wird immer wieder Situationen erleben, in denen etwas nicht so klappt, wie das Baby es eigentlich wollte.
Daher lernt es in dieser Phase, mit Frust und Niederlagen umzugehen. Bereits ab dem sechsten Monat sind Babys in der Lage, Emotionen wie Freude, Ärger oder Angst auszudrücken, brauchen aber die Eltern als Unterstützung, um die Emotionen zu regulieren.
Scheitert Ihr Baby bei seinen Entdeckungsversuchen, wird es Ihnen durch seine Mimik und Körperbewegungen seine Frustration und sein Hilfebedürfnis bei der Bewältigung der Situation mitteilen.
Reaktionen des Babys
Im ersten Jahr lernen Babys auch erste Niederlagen kennen.Ab dem achten Monat verstehen Babys den Zusammenhang zwischen Handlungen und Konsequenzen immer besser. Es merkt, wann es etwas tut, dass es nicht tun soll. Und wenn Sie etwas tun, dass dem Baby nicht passt, wird es sich lauthals darüber beschweren, zum Beispiel, wenn es gebadet oder gewickelt wird und das Baby gerade keine Lust dazu hat.
Unbekannten Personen gegenüber wird das Baby in dieser Phase fremdeln. Dabei wird es sich ängstlich an Sie klammern und die Fremden aus einer sicheren Distanz heraus beobachten. Manche Babys zeigen ihre Angst Fremden gegenüber, indem sie zu schreien anfangen und sich steif machen.
Babys erleben jetzt auch die Trennungsangst, eine der entwicklungstypischen Ängste. Sie stellt sich auch ein, wenn Sie nur für kurze Zeit den Raum verlassen. Die Angst, von den Eltern getrennt zu werden, geht auf einen reflexartigen Schutzmechanismus zurück.
Er bewahrt Babys davor, sich zu weit von wichtigen Bezugspersonen zu entfernen und sich in Gefahr zu begeben. Diese Trennungsängste sollten Sie mit dem Baby zusammen bewältigen, indem für kurze Erledigungen die Großeltern oder andere vertraute Personen auf das Baby aufpassen.

10. bis 12. Monat: Motorik und Sprache üben

Ihr Baby halt bisher schon viel in Sachen Motorik, Emotionen und Kommunikation gelernt und sich prächtig entwickelt. In den letzten Monaten seines ersten Lebensjahres kommen noch ein paar wesentliche Fähigkeiten dazu: Das Laufen und Sprechen.
Das geht immer besser
Alles, was das Baby in seinen ersten neun Monaten gelernt hat, wird immer weiter verbessert und verfeinert. So klappt das Hinsetzen immer besser Es ist in der Lage, sich selbstständig hinzusetzen und durch bestimmte Sitztechniken mittlerweile recht gut sein Gleichgewicht zu halten. Aus der Bauchlage heraus stützt es sich auf seinen Händen ab und drückt sich nach oben, während es ein Bein nach vorne schiebt und das andere nachzieht.
Die Hände kann das Baby nun so gut koordinieren, dass es zwei Gegenstände halten und aneinanderschlagen kann. Und auch die Feinmotorik ist inzwischen gut ausgebildet, das Baby kann inzwischen gezielt greifen und selbst sehr kleine Gegenstände aufnehmen. Das birgt allerdings die Gefahr, dass es diese Teile in den Mund nimmt und sich daran verschluckt oder gar erstickt.
Laufen lernen
Mit etwa einem Jahr beginnen manche Kinder schon zu laufen.Babys ab dem zehnten Monat beginnen auch damit, sich an Möbeln oder an Ihren Beinen in den Stand hochzuziehen. Das verschafft ihnen eine neue Perspektive auf die Welt, die sie bisher eher vom Boden oder von Ihrem Arm aus kennen. Vielleicht kann Ihr Baby im Stand schon einen Fuß anheben, eine wichtige Vorbereitung auf das Laufen.
Mit ausreichend Platz und Motivation können Sie Ihr Baby beim Laufenlernen unterstützen. Bald schon wird es seine ersten Schritte wagen, während es sich mit beiden Händen an den Ihren festhält. Nach und nach wird Ihr Baby sicherer auf den Beinen und kann sein Gleichgewicht auch im Stehen besser halten, sodass mit ein bisschen Übung nur noch eine Hand zum Festhalten nötig ist.
Die ersten eigenen Schritte machen manche Babys etwa im zwölften Monat. Andere Babys lassen sich noch ein halbes Jahr Zeit, bis sie zu laufen anfangen. Schließlich steckt einiges an Koordination und Gleichgewicht dahinter, um sich eigenständig auf zwei Beinen halten zu können.
Babys ersten Worte
Ihr Baby erkennt mit etwa zwölf Monaten bereits den Zusammenhang zwischen vertrauten Personen oder Gegenständen und ihren Namen und versteht bereits einfache Sätze wie Aufforderungen und Verbote.
Manche Babys bilden immer konkretere Laute und brabbeln immer mehr, andere beginnen schon erste Worte zu sprechen, allerdings noch sehr undeutlich und nur schwer verständlich. Aber auch diese Fähigkeit wird Ihr Baby in den nächsten Monaten weiter ausbauen.
Babys erster Geburtstag
Die ersten gemeinsamen zwölf Monate mit Ihrem Baby sind leider sehr schnell vorbei. Umso aufregender ist Babys erster Geburtstag, wobei das mehr auf die Eltern zutrifft als auf das Baby selbst. Es hat noch keinerlei Vorstellung davon, was es bedeutet, Geburtstag zu haben oder warum es an diesem Tag so im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht.
Daher wird es auch den Ansturm der Gäste, die Sie einladen, nicht verstehen. Um das Baby nicht mit der Situation zu überfordern, sollten nicht zu viele Personen auf einmal kommen. Auch wenn das Baby die ausgelassene Stimmung freuen wird, ist eine groß angelegte Feier zu viel des Guten.
Verteilen Sie die Gäste lieber auf mehrere Tage, das ist für das Baby wesentlich stressfreier. Dennoch wird das Baby einen gewohnten Tagesablauf und das Spielen bevorzugen.
Zusammenfassung
In seinem ersten Lebensjahr entwickelt sich Ihr Baby recht schnell von einem hilflosen Säugling zu einem bewegungsfreudigen Baby, das jeden Tag dazu lernt und sich neuen Herausforderungen stellt. Die Sinne, die bereits vor der Geburt angelegt sind, reifen über die ersten zwölf Monate immer weiter aus.
Die Sinneswahrnehmungen helfen dem Baby dabei, seine Umwelt zu entdecken und zu erforschen und sich zurecht zu finden. Es kann immer besser sehen und greifen und dadurch die Menschen und Gegenstände immer deutlicher und gezielter wahrnehmen und erforschen.
Aus dem Neugeborenen, das überwiegend mit schlafen und essen beschäftigt ist, wird schnell ein aufgewecktes Baby, das bewusst Kontakt zu anderen sucht und lernt, seinen Emotionen auszudrücken.
Gegen Ende des ersten Lebensjahres sind manche Babys dann schon so weit, dass sie die ersten eigenen, wackeligen Schritte wagen und erste, noch recht undeutlichen Worte sprechen.
Sie und Ihr Baby haben sich in den vergangenen Monaten gut aufeinander eingespielt und sich kennen gelernt. Sie wissen, was ihm gefällt und was nicht und wie es das ausdrückt. Gute Voraussetzungen also für ein spannendes zweites Jahr.