Umgangsrecht

Nach einer Trennung oder Scheidung der Eltern kommt es häufig zum Streit über das Umgangsrecht mit dem anderen Elternteil, den Großeltern oder anderer Bezugspersonen. Die häufigsten Fragen rund um das Thema Umgangsrecht.
Ein Baby zwischen den Händen von Vater und Mutter.
Schlimm genug für Kinder, wenn die Eltern sich trennen - oft kommt es auch noch zum Streit über das Umgangsrecht. Alexander Belinskiy | Dreamstime.com
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Das Umgangsrecht umfasst sowohl das Recht als auch die Pflicht der Eltern auf Umgang mit dem Kind und es besteht unabhängig davon, ob die Eltern miteinander verheiratet sind oder nicht.  Das Umgangsrecht mit beiden Elternteilen ist als eigenes Recht des Kindes ausgestaltet, vgl. § 1684 Abs. 1, erster Halbsatz BGB. 

Einschränkungen oder Ausschluss

Nach einer Trennung lautet der Grundsatz: Das Gericht entscheidet nicht über das Umgangsrecht. Nur dann, wenn einer der Eltern ausdrücklich eine gerichtliche Entscheidung beantragt, entscheidet das Familiengericht.
Das Familiengericht kann auf Antrag über den Umfang des Umgangsrechts entscheiden und dieses näher regeln. Es kann das Umgangsrecht auch einschränken oder im Ausnahmefall sogar (temporär) ausschließen, wenn dies zum Wohl des Kindes und zur Vermeidung von Gefahren für das Kind erforderlich ist (siehe § 1684 Abs. 4 Satz 1 BGB.) Hierzu gibt es eine Vielzahl von Beispielen, die von den Familiengerichten nach den konkreten Umständen des Einzelfalles beurteilt werden. Dabei ist jedoch stets das mildeste Mittel zu wählen.

Beispiele

  • Substantielle und nachprüfbare Gefahr des sexuellen Missbrauch des Kindes 
  • Alkoholismus oder erhebliche psychische Erkrankung 
  • drohende Kindesentführung

Möglich ist auch Durchsetzung eines Umgangsrechts unter Beisein einer weiteren Aufsichtsperson (ggf. einer Jugendamtsperson), so genannter „begleiteter Umgang“. Keinesfalls darf die Gewährung des Besuchsrechts von der Unterhaltszahlung abhängig gemacht werden. 

Wer hat ein Umgangsrecht mit dem Kind?

Das Umgangsrecht besteht auch für Geschwister und Großeltern sowie für Stiefeltern oder sonstigen Personen, bei denen das Kind in häuslicher Gemeinschaft gelebt hat, sofern der Umgang dem Wohl des Kindes dient, vgl. § 1685 Abs. 1 BGB.  Nach dieser Vorschrift können also auch Bezugspersonen, die nicht mit dem Kind verwandt sind, ein Umgangsrecht mit dem Kind haben – auch ein früherer Ehegatte.

Modalitäten des Umgangs

Zur Häufigkeit des Umgangs und der Ausgestaltung hat der Gesetzgeber keine Richtlinien aufgestellt. Die Modalitäten des Umgangs sind mit Blick auf das Wohl des Kindes frei zwischen den Eltern vereinbar. 
Das Gericht nimmt bei der Festlegung des Umgangs hinsichtlich Häufigkeit, Dauer und Ablauf auf das Alter des Kindes, dessen geistige und körperliche Verfassung, die Bindung des Kindes an den Umgangsberechtigten, die räumliche Distanz, die Betreuungsmöglichkeiten und die persönliche Situation des Umgangsberechtigten und das Verhältnis der Eltern zueinander Rücksicht.

Grundsatz ist ein periodischer Umgang von jeweils kurzer Dauer. Falls es zwischen den Eltern keine Einigung gibt, prüft das Familiengericht, welche Regelung dem Kindeswohl am besten entspricht. Das „klassische“ Modell, das die Gerichte häufig aussprechen, sieht vor, dass ein Schulkind jedes zweite Wochenende von Freitag bis Sonntag sowie die Hälfte der Ferien beim umgangsberechtigten Elternteil verbringt. Wichtige Kriterien sind das Alter und der Entwicklungsstand des Kindes. Vereinbart werden kann aber grundsätzlich alles, was dem Kindeswohl entspricht.

Beispiele für ein 1 1/2 jähriges Kind:

  • ein- oder zweimal im Monat einige Stunden; monatlich 1 Wochenende. 
  • bei großer Entfernung jeden zweiten Monat ein Wochenendbesuch. Ergänzung durch Ferienbesuch möglich.

Beispiele ab der Schulreife

  • Jedes zweite Wochenende von Freitag bis Sonntag mit Übernachtung. 
  • An Festtagen gehört das Kind grundsätzlich zum Sorgeberechtigten. Der zweite der hohen Feiertage Weihnachten, Ostern und Pfingstenkönnen beim anderen Elternteil verbracht werden.

Typische Probleme beim Umgangsrecht

  • Weite Entfernung zwischen dem Umgangsberechtigten und dem Kind. Das Abholen und Bringen ist grundsätzlich Aufgabe des Umgangsberechtigten.
  • Häufiger Streitpunkt zwischen den Eltern ist, wer die Kosten des Umgangsrechts zu tragen hat. Grundsätzlich muss sich derjenige Elternteil, bei dem das Kind lebt, nicht an den Fahrtkosten, Unterbringungskosten des Kindes oder der Verpflegung beteiligen. Die Gerichte haben Ausnahmen zugelassen, wenn etwa der betreuende Elternteil weit weg gezogen ist und dadurch die „Transportkosten“ besonders hoch sind. 
  • Auf Betreiben des Betreuenden möchte das Kind den Umgang nicht mehr ausüben. Oder am vereinbarten Abholtermin ist das Kind regelmäßig nicht zuhause, plötzlich krank oder unpässlich.

In diesen Fällen kann man sich vorrangig an die Jugendämter oder den Kinderschutzbund wenden. Beide Stellen versuchen, die Eltern zu einer Einigung zu bringen. Sollte ein Elternteil keine Einigungsbereitschaft zeigen, sind die Anwälte gefragt, auch die Gerichte können dann Eilentscheidungen treffen. Grundsätzlich sind beide Eltern verpflichtet, auf einen Konsens hinzuwirken und sich genau an das Vereinbarte zu halten.

Bei komplexeren Fragen zum Unterhalts- oder Kindschaftsrecht ist es sinnvoll, sich anwaltlichen Rat einzuholen. Frau Rechtsanwältin Antje Kout (Tätigkeitsschwerpunkt: Familienrecht) hilft Ihnen gerne, Ihr Rechtsproblem zu lösen.

Kontakt

Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familienrecht
Antje Kout
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