Schimpfwörter und der Umgang damit

Wenn Kinder in den Kindergarten gehen, kommen sie oft nicht nur mit selbst gemalten Bildern und Basteleien nach Hause, sondern oft auch mit einem Repertoire von Schimpfwörtern. Vielen Eltern fällt die Reaktion darauf oft schwer. Was tun, wenn das Kind es plötzlich lustig findet, Wörter in den Mund zu nehmen, die eigentlich tabu sind?
Schimpfworte haben für Kinder einen besonderen Reiz, auch wenn sie deren Bedeutung oft nicht verstehen.pathdoc www.fotolia.de
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Wenn das Kind mit Begriffen wie Schimpfwörtern um sich wirft, stellt sich für viele Erwachsene erst einmal die Frage, was die Kleinen daran so sehr fasziniert.

Reaktion der Eltern fasziniert

Denn häufig, das scheint klar, wissen die Kinder gar nicht so genau, was das, was sie da rufen, wirklich bedeutet. Letztendlich ist den Kleinen das auch egal. Denn es sind gar nicht die Wörter selbst, die sie so spannend finden. Es ist die Art, wie Mama und Papa darauf reagieren. Denn die zeigen sich oft erst mal fassungslos und schockiert. Und die Kleinen erleben, wie sie ihre Eltern mit nur einem einzigen Wörtchen auf die Palme bringen und im Nu die gesamte Aufmerksamkeit der Eltern auf sich ziehen können. Das Verhalten von Müttern und Vätern verstärkt das der Kinder also automatisch. Regt sich ein Vater auf, nehmen die Kleinen das gespannt zur Kenntnis und testen, wie er wohl auf ein anderes Schimpfwort reagieren wird. Und reagiert Mama mit betretenem Schweigen, wenn das Töchterchen im Geschäft zur Schimpfwort-Tirade ansetzt, lernt das Kind: Mama ist gegen diese Wörter machtlos.

Richtig reagieren

Damit die Faszination an Schimpfwörtern für Jungen und Mädchen kleiner wird, müssen Mütter und Väter darum darauf achten, dass sie anders reagieren, als vom Kind erwartet. Lachen oder betretenes Schweigen animieren die Kleinen häufig zum Weitermachen. Stattdessen kann es zum Beispiel helfen, wenn Eltern dem Kind zwar erlauben Schimpfwörter zu benutzen, aber nur in seinem Kinderzimmer, wenn es alleine ist. Weil die interessante Reaktion der Eltern dann ausbleibt, verlieren die Kleinen so häufig in kurzer Zeit die Lust an der Fäkalsprache. Bei sehr jungen Kindern, denen ab und zu ein Schimpfwort raus rutsch, sollten Eltern dieses am besten ignorieren. Denn wenn die erwartete Reaktion ausbleibt, wird das Schimpfen für Sohn oder Tochter gleich viel weniger spannend.
Gerade bei älteren Kindern, die die Bedeutung der Wörter besser verstehen, sollten Eltern jedoch dazu übergehen, mit dem Kind zu sprechen. In diesem Gespräch sollte thematisiert werden, ob das Kind überhaupt weiß, was es sagt. Ist das nicht der Fall, sollten Eltern ihren Kindern die Bedeutung kindgerecht erklären. Außerdem sollten sie ansprechen, dass bestimmte Wörter wehtun und sie den anderen, dem sie entgegen geschleudert werden, verletzten.

Regeln besprechen, Alternativen bieten

Werden Schimpfwörter von den Kindern häufiger in den Mund genommen, sollten Eltern mit ihrem Nachwuchs klare Regeln besprechen. Eine Regel kann zum Beispiel lauten, dass bestimmte Wörter nicht gesagt werden dürfen, wenn die Familie gemeinsam isst.
Häufig ist es auch sinnvoll, Alternativen aufzuzeigen. Ruft das Kind lautstark Fäkalwörter, wenn es sich ärgert, kann besprochen werden, dass es dann laut rufen darf: „Ich bin sauer.“ Auch eigene Wortkreationen können dann Abhilfe schaffen. So können die Kleinen Dampf ablassen, aber sie nutzen keine Wörter, die Mama und Papa stören.

Der Sache auf den Grund gehen

Wenn Kinder Schimpfwörter in Situationen nutzen, in denen sie tatsächlich wütend sind, sollten Eltern der Sache auf den Grund gehen. Denn während ein zufällig in den Raum geworfenes „Blödi“ aus dem strahlenden Gesicht des Töchterchens weniger Grund zur Sorge gibt, kann hinter dem geschrienen „doofe Mama“ vom weinenden Söhnchen echte Verzweiflung stecken. Gerade dann sollten Eltern nachfragen. Denn genauso wie wir Großen beginnen auch Kinder damit, sich mit Hilfe von Schimpfwörtern Luft zu machen, wenn sie richtig wütend sind.

Vorbild sein

Wie so oft gilt auch in Bezug auf Schimpfwörter: Eltern müssen Vorbilder sein. Ein Vater, der sich fluchend über seinen Chef aufregt und eine Mutter, die ihre Nachbarin mit Tiernamen belegt, sollten sich also nicht wundern, wenn sich der Nachwuchs das Verhalten abschaut.
Auf der anderen Seite sollten Eltern ihren Kindern aber auch verdeutlichen, dass es durchaus in Ordnung ist, wütend zu sein. Und dass man dann vielleicht auch mal lauter werden darf.

Schimpfwörter sind wichtig

Aber auch wenn Schimpfwörter und Fäkalsprache – gerade aus dem Mund des Kindes – stören und wenn sie die Großen oft an den Rand der Verzweiflung bringen: Für die Entwicklung der Kleinen sind sie sogar wichtig. Denn Jungen und Mädchen lernen auf diese Weise, dass sie mit Wörtern eine Reaktion hervorrufen können. Und sie erfahren, wie wichtig und machtvoll Sprache sein kann.