Trends gehören zum Aufwachsen dazu – doch nicht jeder davon muss für eine „glückliche Kindheit“ mitgemacht werden.MNStudio | Fotolia

Kids und Trends: Von roten Linien und Kindheitserinnerungen

Für Kinder und Jugendliche gehört das Verfolgen von Trends untrennbar zum Aufwachsen dazu. Doch es gibt eine Grenze zwischen „Must have“ und „Trend-Victim“. Und Eltern brauchen viel Gespür, um diese feine Trennlinie zu erkennen sowie starke Nerven, um sie einzuhalten.

Glück gehabt, Eltern 2017. Heute rotieren auf Schulhöfen die Fidget-Spinner. Die sind mit Stückpreisen unter zehn Euro ziemlich Haushaltskassen-freundlich. Vor ziemlich genau 20 Jahren sah das anders aus. Da piepsten in den Kinder-Hosentaschen die Tamagotchis – inflationsbereinigt etwa dreimal so teuer. Ein Jahr später, für die Furbys, mussten Eltern gar noch tiefer in die Tasche greifen, um ihr Kind nicht zum Außenseiter werden zu lassen. Jungend und Trends sind bereits seit ewigen Zeiten. untrennbar verbunden. Doch wo genau Eltern die Grenze ziehen sollten, das ist eine andere Frage – derer sich der folgende Artikel für unterschiedlichstes Trend-Zubehör des Heranwachens widmet.

Das Band der Gleichaltrigen

Junge mit SmartphoneDoch woher kommen Trends, die besonders die Generation U-18 in ihren Bann ziehen? Dies zu erklären, bedarf nur einfacher Psychologie. Denn Trends entstehen immer auf die gleiche Weise.
1. Etwas bis dato wenig Bekanntes (oder seit längerem im Hintergrund Stehendes) wird durch ein Konsortium mehr in den öffentlichen Fokus gerückt. Bei Konsumgütern sind das meist Unternehmen, die gezielt Marketing betreiben
2. Dieses Produkt gerät ins Visier von Menschen, die sehr individualistisch veranlagt sind. Etwas Neues ist ein sehr gutes Mittel, um sich von anderen abzuheben
3. Mit der Zeit folgen andere Menschen, der Trend rollt los
Und ob man nun eine bestimmte Marke nimmt, ein technisches Produkt, oder eben den aktuellen Fidget-Spinner: Es funktioniert immer auf die gleiche Weise. Bei Kindern und Jugendlichen besonders wirksam. Denn diese Menschengruppe ist in der Regel charakterlich weitaus weniger gefestigt als Erwachsene. Nirgendwo ist der Konformitätsdruck des Gruppenzwangs stärker als bei Minderjährigen, die tagtäglich mit Gleichaltrigen zu tun haben.
Und genau hier liegt auch die Wurzel allen Trend-Übels: Denn es gibt eine unsichtbare Linie: Links liegt das, was Kinder und Jugendliche tatsächlich benötigen und was Eltern auch finanziell stemmen können. Jenseits davon stehen Trends, die vielleicht sehr teuer sind, mitunter gar gefährlich.

Eine Sache der Erziehung?

So manche Eltern erklären, dass sie solche Trends, die für sich genommen keinen Mehrwert bringen, nicht mitmachen, um ihr Kind nicht zum kritiklosen Konsumenten zu erziehen. Ja, das kann man so machen. Bloß vergessen solche Eltern, welch immense Hebelwirkung Gruppenzwang auf Kinder und Jugendliche ausübt. Hänseleien, außerhalb der Gruppe stehen – auf gestandene Erwachsene mag dies nicht sonderlich stark wirken, für die betroffenen jüngeren Semester ist dies jedoch der elterlich verordnete Zwang, auf einen großen Teil ihrer Jugendwelt zu verzichten. Und das kann teilweise schwerer wiegen, als die befürchtete Erziehung zum „Konsumsklaven“.

Hier ist Nein sagen elterliche Pflicht

Von Zeit zu Zeit tauchen Trends auf, die haben nichts mit Konsum zu tun, sondern entstanden aus jugendlicher Gruppendynamik gepaart mit Unvernunft heraus. Aktuell ist es das unter Mädchen verbreitete Pussy-Slapping. Davor waren es Würge-Spielchen oder Experimente mit Alkoholika.
An diesem Punkt geht jedweder positive Trend-Effekt in den Hintergrund und es treten mitunter schwere gesundheitliche Risiken hervor. Und Eltern haben nur eine Möglichkeit: Schnell sein. Sich immer über Trends auf dem Laufenden halten und den Kindern die Gefährlichkeit schonungslos vor Augen halten. Denn wie sämtliche Teenager-Eltern bestätigen können, kommt irgendwann der Punkt, an dem man nur noch einen Bruchteil von dem mitbekommt, was der Filius den Tag über so treibt. Hier muss elterliche Eigeninitiative das ersetzen. 

Trends, denen sich Jugendliche und Eltern nicht entziehen können
Nicht jeder Trend hat für Eltern einen auf den ersten Blick sichtbaren Sinn. Dennoch verbergen sich hinter manchem davon tatsächliche Nachteile abseits des Gruppendrucks, wenn ihre Kinder darauf verzichten müssen.

Jugendliche mit SmartphonesSmartphones sind der wohl prominenteste Vertreter dieser Gattung und die Verteilungszahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Fast die Hälfte der zehn- bis elfjährigen besitzt eines. Bei den zwölf- bis dreizehnjährigen sind es sogar noch mehr. Dabei sind die Geräte mehr als Trends um des Trends willen, sondern mittlerweile unverzichtbarer Bestandteil der Jugendkultur und –kommunikation Jugendliche vereinsamen nicht wegen des Smartphones, sondern ohne. Allerdings sollten Eltern nicht den Fehler machen und ihr eigenes Nutzungsverhalten zur Kalkulationsbasis der Frage nach dem passenden Tarif für ihr Kind machen – die junge Generation benötigt ein Mehrfaches davon. Praktisch alles auf dem Smartphone verbraucht eine gut kalkulierbare Datenmenge – eine Whatsapp-Nachricht etwa 10KB, eine Google-Suche 200KB. Wer da glaubt, seinem Teenager mit einem 200MB-Tarif einen Gefallen zu tun, der irrt.  Dann im Zweifelsfall lieber eine Prepaid-Karte mit viel Datenvolumen bereitstellen – denn Freiminuten oder gar SMS haben für Jugendliche sowieso nachgeordnete Bedeutung.
Obendrein muss man bedenken, dass die Zukunft digital ist. Was Kinder nicht heute auf spielerischem Weg erlernen, werden sie sich künftig unter Schwierigkeiten erarbeiten müssen – Smartphones sind die Grundlage dessen. Allerdings gibt es Grenzen: Bei Grundschülern sind diese Geräte keine Pflicht, erst ab der vierten Klasse sollten Eltern über ein solches Gerät nachdenken. Übrigens ist hier der falsche Punkt, über finanzpädagogische Elemente zu sinnieren. Es muss kein iPhone für fast tausend Euro sein, aber Smartphones gibt es auch für wesentlich geringere Summen.

Jugendliche mit verschiedenen KlamottenKleidung ist ein schon weniger eindeutiger Trend, allerdings ebenfalls einer, der gerade für Teenager eine sehr hohe gesellschaftliche Bedeutung hat. Das liegt daran, dass Kleidung in diesem Alter neben dem modischen Attribut auch noch eine subkulturelle Identifikationsfunktion erfüllt. Dabei muss man aber eindeutig zwischen der Art der Kleidung (Schnitt, Farbe) und der Marke als solcher unterscheiden.
Die Art der Kleidung ist ein wichtiger Bestandteil der Identifikation, die Marke ist es indes nur deutlich weniger. Zwar gibt es Jungendkulturen, in denen bestimmte (oft, aber nicht immer teure) Marken gleichbedeutend mit der Art sind, aber das ist eine Minorität. Eltern sei hier angeraten, finanziell so weit mitzugehen, wie es persönlich behagt. Als Bemessungsgrundlage taugt das, was manselbst für das gewünschte Kleidungsstück ausgeben würde. Was darüber liegt, muss vom Jugendlichen angespart oder erarbeitet werden.

Fortbewegung

Der Elfjährige will ein Skateboard, der 16-jährige einen Motorroller. In Sachen Fortbewegung stehen Eltern vor einer Gewissensfrage, die auch damit zusammenhängt, wo die Familie wohnt und welche Wege die Kids zu bestreiten haben.
Einig kann man sich darüber sein, dass zumindest die grundlegende Fähigkeit vorhanden sein sollte, Fahrrad zu fahren. Schon weil sich dahinter eine wichtige Stütze für die (spätere) sichere Fortbewegung im Straßenverkehr verbirgt. Zwischen vier und sechs Jahren können Kinder damit beginnen – ob ein Fahrrad aber auch für den täglichen Schulweg verwendet werden soll, hängt vor allem mit dem Lebensumfeld und den (Schul-)Wegen zusammen. Trendmarken gibt es hier wenige, wenngleich gerade die nach wie vor beliebten Mountainbikes teilweise herbe Preise aufrufen.
Bei sämtlichen Trend-Fortbewegungsmitteln á la Longboard ist indes sehr viel weniger pädagogischer Wert gegeben. Hier lautet der Ratschlag eher „kann, wenn es finanziell vertretbar ist, muss aber nicht“. Spätestens bei der Motorisierung wird es jedoch wieder schwieriger. Fakt ist, dass bereits 15-jährige einen Mofa-Führerschein besitzen und mit dem entsprechenden Gefährt bis zu 25km/h schnell fahren dürfen. Fakt ist aber auch, dass Motorroller sich nicht nur vergleichsweise leicht tunen lassen, sondern die motorisierte Fortbewegung generell bei Jugendlichen, durch deren größere Risikobereitschaft unfallträchtiger ist.
Sinnvoll sind solche Vehikel tatsächlich nur dann, wenn sie den täglichen Schulweg oder den zur Ausbildungsstätte merklich verkürzen oder gar die einzige praktikable Lösung sind – eingedenk des oft schlechten ländlichen ÖPNV-Netzes. Allerdings muss dann elterlicherseits auf entsprechende Tuning-Versuche etc. mit Argusaugen geachtet werden, denn dann bestehen auch rechtliche Risiken.

Das große Feld der sonstigen Trends

Ein sich drehender Fidget-SpinnerFür den letzten Punkt betritt dieser Artikel ein Gebiet, in dem wohl die meisten Familien“dramen“ stattfinden. Bei den sonstigen Trends tummeln sich all die kleinen Dinge, die Kinder und Jugendliche „unbedingt“ haben müssen – Fidget-Spinner finden sich hier ebenso wie alles andere, was zur Kategorie „weitgehend sinnlos aber wenigstens günstig“ gehört.
Für den letzten Punkt betritt dieser Artikel ein Gebiet, in dem wohl die meisten Familien“dramen“ stattfinden. Bei den sonstigen Trends tummeln sich all die kleinen Dinge, die Kinder und Jugendliche „unbedingt“ haben müssen – Fidget-Spinner finden sich hier ebenso wie alles andere, was zur Kategorie „weitgehend sinnlos aber wenigstens günstig“ gehört.
Gleichsam ist hier ein Maximum an elterlichem Einfühlungsvermögen vonnöten. Denn betrachtet man sich solche Trends genau, fällt auf, dass sie:

  • Meist sehr kurzlebig sind
  • Einen hohen Konsumgrad aufweisen
  • Wenig bis keinen pädagogischen Effekt haben
  • Praktisch nichts zur jugendkulturellen Entwicklung als solcher beitragen

Und genau damit wird es zur Einzelentscheidung der Eltern. Doch dahinter verbergen sich einige sinnvolle aber auch weniger sinnvolle Vorgehensweisen:

  • Alle Trends blind zu befolgen und sie dem Kind zu bezahlen wäre weniger sinnvoll, denn es würde erzieherisch falsche Signale senden
  • Allen Trends zu folgen aber sein Kind dazu zu bringen, mit seinem eigenen Geld (Taschengeld, Erspartes) dafür zu bezahlen, macht zwar konsumpädagogisch wenig Sinn, ist aber ein sehr gutes Lehrmittel für den Umgang mit Geld
  • Trends generell dem Kind vorzuenthalten ist eine gute Sparmaßnahme. Und ob der Kurzlebigkeit von solchen Trends auch kein wirklicher Schaden für das Kind. Allerdings wird diese Variante dafür sorgen, dass der Haussegen öfters schief hängt und außerdem wird es das Kind in späteren Jahren um so manche Erinnerung bringen.

Fazit

Trends unter Kindern und Jugendlichen erfordern von Eltern so viel Augenmaß wie wenig anderes in der Erziehung. Beide Extreme – totales Befolgen und totale Verweigerung – sind der falsche Weg. Wichtig ist, dass Eltern ein Gespür dafür entwickeln, was tatsächlich ein für ihr Kind wichtiger Trend ist und was nur ein Schneeball einer Marketingabteilung.