Stellungswechsel: Geburtspositionen beeinflussen die Entbindung

Vorbei sind die Zeiten, in denen eine werdende Mutter zwingend in Rückenlage entbinden musste. Heute stehen die Wünsche und Bedürfnisse der Schwangeren im Zentrum des Kreißsaalgeschehens. Zum Glück, denn so medizinisch sinnvoll der Klassiker unter den Entbindungspositionen auch erscheint, so positiv kann sich ein geburtlicher Stellungswechsel auf den Geburtsverlauf und das Wohlbefinden der Mutter auswirken. Diesen Vorteil haben moderne Entbindungskliniken erkannt und ermöglichen mittlerweile die Geburt in den unterschiedlichsten Positionen.
Die Wassergeburt ist nur eine von vielen möglichen GeburtspositionenAndrey Bandurenko www.fotolia.de
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Die Rückenlage als Klassiker

Auch wenn das Angebot in Deutschlands Kreißsälen mittlerweile kaum noch Wünsche offen lässt, so nehmen die meisten Mütter zur Entbindung nach wie vor die liegende Position, entweder auf einem Entbindungsbett oder einer Liege, ein. Hebammen und Ärzte wird es sicher freuen, schließlich ist ihnen so die vaginale Untersuchung am besten möglich. Aus diesem Grund wird die Rückenlage primär empfohlen, wenn eine engmaschige Kontrolle des Geburtsverlaufs erforderlich ist. Gleichzeitig haben von vielen Wehenstunden erschöpfte Mütter so die beste Möglichkeit, sich in den Wehenpausen auszuruhen und zu entspannen.
Leider kann in Rückenlage die Schwerkraft nicht unterstützen, weshalb der Geburtsverlauf oftmals langwieriger und manchmal auch schmerzhafter ist. Nicht zu empfehlen ist diese Wahl dann, wenn der kindliche Kopf noch nicht tief genug im Becken sitzt.

Seitenlage als Abwandlung

Als angenehme Abwandlung der Rückenlage empfinden viele Frauen die Entbindung in der seitlichen Position, da hierbei der Rücken deutlich entlastet wird. Vor allem bei Hämorrhoiden sowie bei drohendem Dammriss kann diese Position eine gute Alternative sein.

Kraftraubende Hockgeburt

Manchmal ist der Muttermund zwar vollständig eröffnet, der kindliche Kopf sitzt jedoch nicht tief genug im Becken, um die Austreibungsphase einzuläuten. In diesem Fall kann eine hockende Position der Mutter eine optimale Unterstützung darstellen. Denn dadurch hilft die Schwerkraft dem Kind, die korrekte Position einzunehmen. Auch der Beckenausgang wird durch diesen Positionswechsel positiv beeinflusst und vergrößert sich. Die Geburt verläuft in der Regel schneller. Allerdings ist die Hockgeburt für die werdende Mutter äußerst kraftraubend, so dass sie die Unterstützung eines Geburtshockers und vor allem ihres Partners, an dem sie sich festhalten kann, braucht.

Vierfüßlerstand für die Badewanne

Wünscht eine Frau eine Wassergeburt, so bleibt ihr nur eine geringe Auswahl an Geburtspositionen. Neben der klassischen Rückenlage kommt hier der Vierfüßlerstand, also die kniende Entbindung, in Betracht. Wenngleich die Schwerkraft hier nicht in dem Maße mitwirken kann wie beispielsweise bei der hockenden Geburt, so ist diese Position doch eine hilfreiche Alternative zur Rückenlage. Aber auch außerhalb der Geburtswanne darf Frau sich für die kniende Variante entscheiden. Vor allem wenn die Wehen mit starken Rückenschmerzen einhergehen, kann so eine gewisse Entlastung erreicht werden.

Keine Sorge vor dem Stehen

So befremdlich es klingen mag, in vielen Kulturkreisen stehen die Mütter während der Geburt. Schließlich kann in dieser Position die Schwerkraft ihr größtes Unterstützungspotential entfalten. Gleichzeitig fällt im Stehen das Atmen deutlich leichter – Wehen lassen sich also besser „veratmen“. Auch die Vergrößerung des Beckens sowie die Erleichterung des Pressens sprechen eindeutig für eine stehende Geburt. Da eine echte Entspannung in den Wehenpausen so allerdings nicht möglich ist, wird in der Regel nur die Eröffnungsphase stehend verbraucht, um dann zu den Presswehen in eine andere Geburtsposition zu wechseln.

Erlaubt ist, was gefällt

Geburtshocker, Pezziball, Entbindungswanne, Geburtsrad oder Familienbett – viele Frauen haben in der Theorie ihre ganz eigene Vorstellung von der perfekten Entbindung. In der Praxis jedoch kommt es darauf an, was in diesem außergewöhnlichen Moment hilft, die Wehenschmerzen besser zu ertragen und die Geburt optimal zu unterstützen. Deshalb ist schlichtweg erlaubt, was gefällt und eine baldige Mutter sollte sich niemals scheuen, verschiedene Entbindungspositionen auszuprobieren, ehe sie eine geeignete gefunden hat.