Ein Kind muss keinen Zahn kosten! Zahnpflege in der Schwangerschaft

Eine alte Binsenweisheit besagt: Jedes Kind kostet einen Zahn. Doch genau dies muss nicht sein. Denn in der Regel sind falsche Zahnpflegegewohnheiten Schuld am schlechter werdenden Gebiss in der Schwangerschaft. Deshalb sollten werdende Mütter diesbezüglich mit besonderer Sorgfalt vorgehen.
Die richtige Zahnpflege ist in der Schwangerschaft besonders wichtigjolopes www.fotolia.de

Zahnpflege in der Schwangerschaft oftmals vernachlässigt

Der Körper einer werdenden Mutter macht in der Schwangerschaft viele Veränderungen durch – und leider sind längst nicht alle positiv zu werten. Gerade im Mundraum führt die hormonelle Neuausrichtung zu oftmals unschönen Symptomen. Die Schleimhäute werden empfindlicher, während das Zahnfleisch weicher wird, häufig anschwillt und selbst bei der geringsten Berührung zu bluten beginnt. Im Ergebnis gehen Schwangere besonders sanft bei der Zahnpflege vor und tun sich damit keinen Gefallen. Denn die Vorsicht, die sie beim Zähneputzen walten lassen, gepaart mit dem Versuch, durch den Verzicht auf das Zähneputzen gerade in den ersten Monaten den Brechreiz zu reduzieren, erfreut Bakterien, die sich ungehindert ausbreiten können. Diese finden auf den aufgrund der mangelnden Zahnhygiene vermehrt auftretenden Zahnbelägen einen idealen Nährboden. Kariöse Veränderungen sind ebenso keine Seltenheit wie Zahnfleischentzündungen und Parodontose.
Gleichzeitig fürchten sich viele werdende Mütter vor dem Gang zum Zahnarzt, der im ersten und letzten Schwangerschaftsdrittel zum Schutz des Ungeborenen während einer notwendigen Zahnbehandlung auf die schmerzlindernde Lokalanästhesie verzichtet. Eine professionelle Abklärung der Zahngesundheit wird folglich viel zu lange aufgeschoben.

Gesundheitliche Gefahren für Mutter und Kind

Schwangere tun mit der Vernachlässigung ihrer eigenen Zahngesundheit weder sich noch ihrem Ungeborenen einen Gefallen. Denn unbehandelte Zahnerkrankungen gelten schließlich als Auslöser vieler weiterer, körperlicher Beschwerdebilder. Gleichzeitig kommt es aufgrund der mangelnden Zahnhygiene über kurz oder lang zum Verlust eines Zahns.
Aber auch dem Ungeborenen tun die entzündlichen Prozesse im Mundraum der Mutter nicht gut. So konnte mittlerweile belegt werden, dass Parodontoseerreger über den Blutkreislauf der Mutter zum Fötus vordringen und diesen nicht nur in seiner Entwicklung hemmen, sondern auch Frühgeburten auslösen können. Nach der Geburt können die Bakterien dann sogar auf das Kind übertragen werden, beispielsweise wenn die Mutter den Schnuller des Säuglings ableckt oder ihr Baby auf den Mund küsst.

Zahnpflegetipps für Schwangere

Vor dem Hintergrund der mittlerweile gewonnen Erkenntnisse ist es elementar, dass werdende Mütter ihrer Zahnhygiene eine gesteigerte Aufmerksamkeit widmen. Dies bedeutet, dass sie regelmäßig und mehrmals pro Tag ihre Zähne putzen sollten, wobei die Strichrichtung vom Zahnfleisch zu den Zähnen führt. Um die empfindlichen Schleimhäute zu schonen, empfiehlt sich die Verwendung einer weichen Zahnbürste. Die gleichzeitige Benutzung von Zahnseide und Zwischenraumbürsten beseitigt Rückstände auch in den schwer erreichbaren Arealen. Wer dazu noch eine antibakterielle Mundspülung verwendet oder den Mund mit dem Zahnpastaschaum durchspült, leistet einen weiteren wichtigen Beitrag zur eigenen Zahngesundheit. Ein- bis zweimal sollte die werdende Mutter sich während der Schwangerschaft auch eine professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt gönnen.
Aber auch mit einer bewussten Ernährung lassen sich Zähne in der Schwangerschaft schützen. Mit dem eingeschränkten Genuss von süßen und sauren und damit aggressiven Speisen lässt sich der Zahnschmelz hervorragend schützen. Wenn die Gier zu groß wird, darf man sie zwar getrost stillen, sollte anschließend jedoch das Zähneputzen nicht vergessen.
Rohkost und Vollkornprodukte sind ebenfalls aus zahnmedizinischer Sicht empfehlenswert. Außerdem sollten Speisen nicht zu weich gegart werden, da eine gewisse Bissfestigkeit die Stabilität des Zahnschmelzes positiv beeinflusst. Für zwischendurch eignen sich zuckerfreie Kaugummis, die nicht nur die Speichelproduktion und dessen desinfizierender Wirkung anregen, sondern in der Regel selbst antibakterielle Substanzen beinhalten.
Beim Zeitpunkt des Zähneputzens gilt zu bedenken, dass der Zahnschmelz durch Erbrochenes oder saure Lebensmittel ohnehin strapaziert ist und man ihn mit dem sofortigen Zähneputzen zusätzlich schädigt. Wesentlich ratsamer ist es, zunächst den Mund mit klarem Wasser auszuspülen und erst 20 Minuten später mit der Zahnbürste ans Werk zu gehen.