10. Schwangerschaftswoche (SSW)

In der 10. Schwangerschaftswoche bemerken manche Schwangere das Wachstum der Milchdrüsen - ein Werk des Hormons Prolaktin, das zugleich für das typische Spannungsgefühl in den Brüsten sorgt. Um Dehnungsstreifen vorzubeugen, sollten Schwangere schon jetzt mit der Pflege der Haut beginnen.
dritter Schwangerschaftsmonat
Entwicklung des Kindes im dritten Schwangerschaftsmonat.Lukaves | Dreamstime.com
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Tipps

Für die gesunde Entwicklung des Babys ist diese Zeit besonders wichtig. Weil es jetzt besonders schnell wächst, sollten Sie während dieser Phase sehr vorsichtig sein, um es nicht zu gefährden. Dazu gehört, dass Sie auf Ihr Gewicht achten – ohne jedoch eine Diät zu machen.

Ernähren Sie sich am besten ausgewogen und vitaminreich, pflegen Sie einen gesunden  und regelmäßigen Lebensstil. Alle Nährstoffe, die jetzt Ihnen selbst jetzt fehlen, fehlen auch Ihrem Baby!

Wenn Sie jetzt beginnen, Ihre Haut zu pflegen, können Sie die Dehnbarkeit fördern und der Bildung von Schwangerschaftsstreifen vorbeugen. Versorgen Sie Ihre Haut mit hochwertigen Funktionsölen und gönnen Sie sich sanfte Massagen an Oberschenkeln, Brust, Bauch und Po – schon ein paar Minuten können ausreichen. Versuchen Sie, trotz mancher Anfangsbeschwerden eine positive Gesamteinstellung zu bekommen und Ihre Schwangerschaft zu genießen.

Organisatorisches

Wenn Sie beim Zähneputzen jetzt häufiger Zahnfleischbluten haben, ist das in der Regel eine ungefährliche Begleiterscheinung Ihrer Schwangerschaft: Ihr Körper erhöht jetzt die Blutmenge von zirka fünf auf sechseinhalb Liter. Gehen Sie jetzt zum Zahnarzt und lassen Sie das Zahnfleischbluten vorsichtshalber abklären.

In der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche beginnen meist die Geburtsvorbereitungskurse. Sie sollten sich für einen Kurs entscheiden, der aus diesen vier Elementen besteht:  Atemübungen, Entspannung, Bewegung und Information bzw. Kontaktmöglichkeiten. Und wenn Sie ganz auf der sicheren Seite sein wollen, sollten Sie sich bereits jetzt um einen Geburtsvorbereitungskurs bemühen, denn die sind meist schon sehr früh ausgebucht.

Soweit der Kurs von einer Hebamme geleitet wird, übernimmt die Krankenkasse auch die Kosten. Möchte Ihr Partner ebenfalls teilnehmen, so muss er seinen Beitrag in der Regel selbst tragen.

Arzttermine während der Schwangerschaft

Jetzt ist es Zeit für die zweite Vorsorgeuntersuchung. Der Arzt kontrolliert im Rahmen dieser Untersuchung:

  • das mütterliche Gewicht
  • das mütterliche Blut
  • den Blutdruck: Zu hoher Blutdruck könnte ein Hinweis auf eine so genannte Gestose sein, die Ihnen oder Ihrem Kind schaden kann. Ihr Arzt wird nach den Ursachen forschen und eine passende Behandlung vorschlagen.
  • den Urin: Eine zu hohe Leukozyten-Konzentration in Ihrem Urin kann ein Hinweis auf eine Entzündung bei der werdenden Mutter sein. Der Arzt sucht zudem nach den Anzeichen einer Präeklampsie, die sich auch am Eiweißgehalt der Urinprobe erkennen lässt. In den meisten Fällen sind Erstgebärende oder Frauen über 35 Jahren davon betroffen.
  • Hämoglobingehalt des Blutes und die Erythrozyten, wenn der Hämoglobingehalt geringer als 10,2 ist
  • die Herztöne des Kindes
  • die Lage des Kindes
  • den Höhenstand des oberen Endes der Gebärmutter (so genannter Gebärmutterfundus)

Jetzt können sie auch das erste Ultraschallscreening durchführen und auch eine Nackenfaltenmessung vornehmen lassen – vorausgesetzt, der Fetus nimmt hierfür eine gute Lage ein.

Chorionzottenbiopsie

Ab dieser Woche kann bei Bedarf auch die  so genannte Chorionzottenbiopsie durchgeführt werden. Der Arzt kann mit dieser Untersuchung das Risiko für eine Reihe von genetischen Krankheiten bei Ihrem Ungeborenen einschätzen. Er entnimmt hierbei eine Probe aus dem Chorionzottengewebe, das Zellen Ihres Fötus enthält und einen Anteil der späteren Plazenta bildet. Die Entnahme der Gewebeprobe erfolgt unter strenger Sichtkontrolle über Ultraschall und geschieht entweder durch den Muttermund oder durch die Bauchdecke.

Sie müssen nicht lange auf das Ergebnis warten: Schon nach zwei Tagen kann Ihr Arzt meist zuverlässige Aussagen über die Risiken einer Erbkrankheit bei Ihrem Fötus treffen.

Ganz ungefährlich ist diese Methode allerdings nicht: Das Risiko einer Fehlgeburt aufgrund des Eingriffes schwankt zwischen einem und eineinhalb Prozent. Bei einer von 100 Untersuchungen (bzw. bei einer von 150) kommt es also zu einer Fehlgeburt.

Zusatzuntersuchungen

Zusatzuntersuchungen in dieser Woche sind das Toxoplasmose-Screening und der Ultraschall. Beide werden jedoch in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, es sei denn, der Arzt gibt hierfür einen besonderen Grund an.

So entwickelt sich Ihr Baby

Die Scheitel-Steiß-Länge Ihres Kindes beträgt jetzt etwa 22 bis 30 mm und sein Gewicht liegt bei ungefähr fünf Gramm. Ihr Baby hat in dieser Woche in etwa die Größe einer Kidneybohne.

In der zehnten Woche ist aus dem Embryo ein Fötus geworden. Alle äußeren und inneren Organe sind bereits vollständig angelegt. Arme und Beine sind jetzt schon erkennbar und auch die dünne Hautschicht, die jetzt den Körper Ihres Fötus umhüllt. Arme und Beine beugen sich langsam und wandern zueinander.

Das Gehirn wächst jetzt rasant und bildet pro Minute etwa eine Viertel Million Neuronen. Das Herz Ihres Fötus ist in der zehnten Woche in seiner Entwicklung bereits abgeschlossen. Die Augen des Fötus waren bisher aufgrund des Wachstums des Ober- und Unterlides geöffnet – jetzt verschließen sie sich langsam durch ein Verkleben der Augenlider.

Augen und Ohren sowie Zahnkeime im Kiefer und die Geschmacksnerven entwickeln sich. Die Geschlechtsorgane sind  bereits angelegt. Ob Sie ein Mädchen oder einen Jungen erwarten, kann man aber jetzt noch nicht erkennen.

In der zehnten Woche sind die Finger des Fötus schon deutlich zu sehen. Noch sind sie durch eine Art Schwimmhaut miteinander verbunden.

Am Ende der zehnten Woche trennen sich die Finger langsam voneinander. Der Kopf ist nun vom Hals abgegliedert und nimmt langsam eine rundliche Form an.

So verändert sich Ihr Körper

Drei Monate haben Sie jetzt schon geschafft und bis zu zwei Kilogramm  zugenommen. Die hormonelle Umstellung ist jetzt noch häufig der Auslöser für Müdigkeit und Erschöpfung. Auch vermehrter Harndrang gehört jetzt zu den typischen Beschwerden der werdenden Mutter. Das Hormon Prolaktin sorgt für das Wachstum der Milchdrüsen – und diese wiederum für das typische Spannungsgefühl in den Brüsten.

Bei manchen Frauen kann es aufgrund der Einnistung des Embryos in die Gebärmutterwand zu krampfartigen Schmerzen oder auch leichten Blutungen kommen. Wenn Sie in dieser frühen Phase der Schwangerschaft Blutungen haben, ist es natürlich, dass Sie besorgt sind. Wenden Sie sich an Ihren Gynäkologen. Er wird Ihnen während der gesamten Schwangerschaft zur Seite stehen.

Auch das seelische Gleichgewicht ist von dieser körperlichen Umbauphase betroffen. Deshalb ist es jetzt wichtig, dass Sie sich ausreichend Erholung und Auszeiten gönnen. Keine Sorge: Niedergeschlagenheit oder Gefühlsschwankungen begleiten wohl fast jede Schwangerschaft, sind ganz normale Auswirkungen der hormonellen Veränderungen und machen Ihrem Baby nichts aus.

Ihr Körper kann jetzt zu vermehrter Wasseransammlung neigen – bei den meisten Schwangeren der Grund dafür, dass die Haut jetzt voller und damit schöner wirkt. Gesichtszüge und Silhouette können weicher werden, auch wenn Ihr Gewicht sich zunächst nicht verändern sollte. Grund hierfür ist häufig, dass die Brüste jetzt voller werden. Ihre Gebärmutter hat in der zehnten Woche in etwa die Größe einer Orange.

Partneralarm

Eigentlich klar, dass Stimmungsschwankungen, Müdigkeit und Heißhungerattacken auch Auswirkungen auf die Partnerschaft haben. Nicht selten legen Männer während der Schwangerschaft an Gewicht zu. Es gibt sogar einen Namen für das Phänomen: Couvade (französisch für „ausbrüten“). So mancher Partner kann sich also auf einen eigenen Babybauch einstellen, der seinen Grund meist in der Abfuhr innerer Anspannungen hat.

Trotz mancher unangenehmen Schwangerschaftsanzeichen hat das Ganze aber auch gute Seiten: Dass der Beckenbereich  jetzt besser durchblutet ist, steigert bei vielen Schwangeren nicht selten die  Lust auf körperliche Liebe.

Und vielleicht denken Sie jetzt schon vermehrt darüber nach, ob es ein Mädchen oder Junge wird. Die Geduld der Väter und natürlich auch Ihre eigene wird  noch ein wenig auf die Probe gestellt, da man in diesem frühen Stadium der Schwangerschaft noch keine Aussage über das Geschlecht des Fötus machen kann. Bis dahin können Sie noch von einem Sohn oder einer Tochter träumen.